Full text : Geschichte der großen amerikanischen Vermögen (Bd. 1)

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gelegenheiten; das geringste Unwohlsein wurde von den
Handelskreisen mit atemloser Spannung verfolgt. Scharen
von Männern, Frauen und Kindern kamen alljährlich in Fabriken
 und Bergwerken und ihren elenden Behausungen um,
Vanderbilts geringster Erkrankung aber wurde eine durch.
zreifende Bedeutung beigemessen, während das Hinsterben
unter den Armen und Hilflosen völlig unbeachtet blieb.
Vanderbilt verkörperte in sich die Eigenschaften, die die
<apitalistische Gesellschaft im ganzen übte und schätzte.
„Starke Männer,“ sagt Croffut, „liebte und schätzte er,
nicht Schwächlinge; Leute, die sich zu helfen wußten,
nicht die Hilflosen. Er hatte das Empfinden; daß alle Bittsteller
 Faulpelze oder Trunkenbolde waren, die von der Ausplünderung
 der Nüchternen und Fleißigen zu leben versuchten.“
 Dies schlimme Mißtrauen gegen die Mitmenschen,
 dieser beißende Zynismus, dies Unterschieben schlechter
 Absichten war charakteristisch für die kapitalistische
Klasse als Ganzes. Da sie selbst die gemeinsten und unedelsten
 Methoden verfolgte, von den niedrigsten Motiven geleitet,
 und selbst überall auf Raub auszog, sah sie jedes Mitglied
 ihrer eigenen Klasse mit Argwohn und Raubgier an.
Dann ging sie weiter und legte all ihre eigenen Laster und
Verbrechen den armen Schichten zur Last, die in Amerika
wie überall durch ihr eigenes System entstanden waren.
Der Verteidiger dieser Klasse mag sagen, daß die kommerziellen
 Klassen nicht nach Vanderbilts Methoden und
Eigenschaften beurteilt werden dürften. Tatsächlich aber
war Vanderbilt nicht unmenschlicher als viele der zeitzenössischen
 Größen der Geschäftswelt.

Sechstes Kapitel

DAS ERBE

Ji reicher Vanderbilt wurde, desto knauseriger wurde er.
Gelegentlich gab er wohl hier und da eine große Summe für
kirchliche oder philanthropische Zwecke, aber für gewöhn-
            
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