Full text: Geschichte der großen amerikanischen Vermögen (Bd. 1)

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der viel besprochen wurde; alle Zeremonien waren erfüllt 
worden; diese rührende Totenbettszene lieferte den Text 
zu mancher Predigt, aber während die Aufmerksamkeit der 
Geistlichen und Journalisten in dieser Weise auf den Tod 
des größten Kapitalisten Amerikas hingelenkt wurde, ge- 
schah in Kirchen und Zeitungen mit keinem Worte all der 
Todesfälle Erwähnung, die Jahr für Jahr durch Unglücks- 
fälle und Krankheiten, oft‘ auch durch Selbstmord und 
Hunger, unter den armen, elenden Industriearbeitern her- 
beigeführt wurden. Außer den Armen selbst kümmerte sich 
niemand um diese Opfer. 
Schon während Vanderbilts Krankheit zerbrach man sich 
über seine testamentarischen Verfügungen den Kopf. Wer 
würde den ganzen Reichtum erben? Die Verlesung seines 
Testaments ergab eine sehr scharfe Teilung. Etwa 90 Millio- 
nen Dollar hinterließ er seinem ältesten Sohne, William H., 
und eine Hälfte der verbleibenden 15 Millionen Dollar 
wurde unter die ‚vier Söhne des Haupterben verteilt?), 
Ein paar Millionen bekamen die anderen noch lebenden Kin- 
1) Dem „ungeratenen‘“ Sohn Cornelius J. Vanderbilt wurden nur die Zinsen von 
200 000 Dollar vermacht unter der Bedingung, daß er selbst dieses Legats verlustig 
gehen sollte, wenn er das Testament anfechten würde. Trotzdem fing er einen Prozeß 
an. William H, Vanderbilt brachte einen Vergleich zustande, indem er seinem Bru- 
der ein Einkommen von ı Million Dollar zugestand. Am 2. April 1882 endete Cor- 
nelius J. Vanderbilt durch Selbstmord; er erschoß sich. Croffut gibt folgenden Be- 
richt über den Vergleich in dem Prozeß: 
„Mindestens zwei der Schwestern waren mit Cornelius’ Prozeß einverstanden 
und unterstützten ihn, da sie den Haupterben nicht liebten und jahrelang kein Wort 
mit ihm gewechselt hatten; jetzt aber fügte er den seinen Schwestern vermachten Be- 
;rägen von seinem eigenen Anteil je 500 000 Dollar zu.“ 
„Eines Abends fuhr er aus und nahm diese großmütigen Geschenke in seinem 
Wagen mit, Er trug die Aktien eigenhändig ins Haus und übergab sie jeder der 
Schwestern. Bei dieser Schenkung ereigneten sich zwei interessante Zwischenfälle. 
{In einem Fall sagte der betreffende Gatte: ‚William, ich habe schnell eine Kalkula- 
tion aufgestellt und sehe, daß die Aktien nicht ganz 500 000 Dollar wert sind; 
es fehlen 150 Dollar nach dem heutigen Kurs.‘ Der Geber lächelte, setzte sich und 
schrieb einen Scheck aus, um die Differenz auszugleichen.“ 
In einem anderen Falle sagte ein Gatte, nachdem er die 500 000 Dollar in Emp- 
lang genommen und nachgezählt hatte und den großmütigen Besucher zur Tür ge- 
leitete: „Übrigens, wenn Sie sich entschließen sollten, den anderen Schwestern mehr 
zukommen zu lassen, so lassen Sie uns doch bitte auch nicht zu kurz kommen.“ 
Der Geber sprang in den Wagen und führ, ohne etwas zu entgegnen, ab. Zu seinen 
Begleitern aber sagte er lachend: ‚Nun, wie finden Sie das?‘ „The Vanderbilts‘“, 
S. I51—162,
	        
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