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der Bahnen in den Händen der wenigen Mächtigen mach-
ten sie sich in aller Ruhe ans Werk, weitere Bahnen an sich zu
bringen, z. B. die Cleveland-Cincinnati-Chikago-St. Louis-
Eisenbahn, die sie 1890 erwarben. Es würde indessen zu
weit führen, die verwickelten Methoden näher zu schildern,
die sie anwandten, um in den Besitz der Bahnen zu kommen.
Anfang 1893 umfaßten die Vanderbiltlinien wenigstens
12 000 Meilen mit einem kapitalistischen Wert von mehre-
zen hundert Millionen Dollar und einem Gesamtbrutto-
gewinn von mehr als 60 Millionen Dollar jährlich. „Die
besten Bahngebiete,“ sagt John Moody in seiner Skizze
‚The Romance of the Railways‘, „außerhalb New Englands,
Pennsylvanias und New Jerseys wurden von Vanderbilt-
bahnen durchkreuzt, und keine andere Bahnlinie im Lande,
mit der einzigen bemerkenswerten Ausnahme der Pennsyl-
vania Eisenbahn, durchkreuzte ein annähernd ebenso großes
Areal reichen und bebauten Landes oder berührte so viele
bedeutende Städte. New York, Buffalo, Chikago, Cleveland,
St. Louis, Cincinnati, Detroit, Indianapolis, Omaha —
das sind ein paar von den großen Zentren, welche den Van-
derbilts reserviert waren.“ Die Vanderbilts waren so un-
denkbar reich und mächtig und hatten so einträgliche
Eisenbahnen und so viele Hilfsquellen, finanzielle Ein-
richtungen und Legislaturen zu ihrer Verfügung, daß die
Krisis von 1893 ihnen, statt ihr Vermögen zu schmälern,
günstige Gelegenheiten gab, sich des Besitzes schwächerer
Bahnlinien zu bemächtigen.
In dieser Zeit sahen sie die Möglichkeit, einen großen Teil
der fabelhaft reichen Kohlenminen von Pennsylvania in
ihre Verwaltung zu bekommen. Diese Kohlengruben hatten
arsprünglich verschiedenen Gesellschaften bzw. Unter-
nehmern gehört, die voneinander unabhängig waren. Aber
etwa um das Jahr 1867 hatten die Bahnen, welche das
Kohlengebiet durchfuhren, den Gedanken gefaßt, selbst
Eigentümer der Gruben zu werden. Warum sollten sie nur
den "Transport der Kohle vermitteln? Warum sollten sie
nicht selbst diese riesigen Kohlenterrains besitzen und alle
Gewinne einstecken, statt bloß Einnahmen aus dem Trans-
port?