Full text: Geschichte der großen amerikanischen Vermögen (Bd. 1)

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Der Plan war wirklich ganz ausgezeichnet; er konnte mit 
geringen Kosten leicht zur Ausführung kommen. Die Bah- 
nen brauchten den Unternehmern nur ungeheure Abgaben 
aufzubürden und sie in jeder Weise zu bedrücken!). Wie 
aus verschiedenen Prozessen hervorgeht, lehnten die Bahnen 
es häufig ab, für diese oder jene Mine Kohlen zu transpor- 
tieren unter dem Vorwand, keine verfügbaren Wagen zu 
haben. Es wurde jedes Mittel versucht, die unabhängigen 
Unternehmer zu ruinieren und den Verkaufswert ihres Be- 
sitzes herabzusetzen. Es war ein Vernichtungskrieg; im 
Gesetz hieß so etwas verbrecherisches Komplott; aber die 
Eisenbahnen übten es fortgesetzt aus, ohne weitere Belästi- 
gung als ein paar langwierige Zivilprozesse, und sie zwangen 
schließlich eine Anzahl der fast bankrotten unabhängigen 
Unternehmer, ihren Besitz an sie für verhältnismäßig mini- 
male Summen zu verkaufen. 
Durch diese Methoden setzten sich Eisenbahnen wie die 
Philadelphia- und Reading-Bahn, die Delaware-Lackawana- 
und Western-Bahn, die New Jersey-Zentraleisenbahn, 
die Lehightal-Bahn und andere, im Lauf der Jahre all- 
mählich in den Besitz großer Kohlengruben. Die mächti- 
geren unter den unabhängigen Unternehmern schlugen sie 
anfangs zurück, indem sie 1873 in Pennsylvania eine gesetz- 
liche Verfügung durchsetzten, wonach Eisenbahnen der 
Erwerb und Betrieb von Kohlengruben untersagt wurde. 
Die Eisenbahnen umgingen dies Gesetz mit Leichtigkeit 
durch ungesetzliche Verpachtungen und durch Gründung 
nominell unabhängiger Gesellschaften, deren Aktien in der 
Tat ihnen gehörten. 
Die Männer, welche die wirkliche Arbeit in den Gruben 
leisteten — die Bergleute —, sahen diesen Besitzwechsel 
ohne Aufregung mit an. Tatsächlich gaben sie sich zuerst der 
kühnen Hoffnung hin, daß ihre Lage, die unter dem alten 
System recht verzweifelt und unerträglich gewesen warf, 
sich bessern werde. Die kleinen Kohlengrubenbesitzer, 
die über ihre eigene Bedrückung durch die Eisenbahnen 
1) Vgl. die Zeugenaussagen vor der Kommission zur Prüfung der Philadelphia- 
und Reading-Eisenbahngesellschaft in Pennsylvania und der Philadelphia and Reading 
Coal and Iron Company, Pennsylvania, Legislative Documents 1876, Bd. 5, No. 2. 
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