Achtes Kapitel
WEITERE SEITEN DES VANDERBILTSCHEN VERMÖGENS
D< Eisenbahnschwindel und die tatkräftige Okkupie-
rung der Kohlengruben waren keineswegs die einzigen
Fortschritte der Familie Vanderbilt in der neueren Zeit.
So farblos die dritte Generation war, ohne irgendwelche
scharfen Wesenseigentümlichkeiten, äußerst alltäglich in
ihrer Lebensführung, so bewies sie sich doch als ein wür-
diger Nachfolger von Kapitän Vanderbilt. Die Lektionen,
die er bezüglich der Erwerbung von Reichtümern erteilt
hatte, wurden von seinen Nachkommen getreulich be-
folgt, und all die ererbten Methoden wurden auch von der
dritten Generation gepflegt. Wie sehr sie auch nach einer
gewissen Rechtschaffenheit und nach großer Ehrbarkeit
strebten, zwischen ihren Geschäftsmethoden und denen des
alten Vanderbilt bestand nicht der geringste Unterschied.
Die Zeiten hatten sich geändert, das war alles. Was früher
als ungesetzlicher Diebstahl und Raub angesehen worden
war, wurde jetzt mit hochtönenden Phrasen wie „korpora-
tive Ausdehnung“ und „Hochfinanz‘“ und andere Schlag-
worte belegt, die darauf berechnet waren, den öffentlichen
Argwohn und Groll zu beschwichtigen. Eine Verfeine-
rung der Phraseologie war eingetreten und erwies sich als
zweckmäßig.
In dieser Periode der ökonomischen Entwicklung des
Landes, wo ungeheure Diebstähle ausgeführt wurden, mußte
ein Betrug mindestens 50 Millionen Dollar umfassen, wenn
er als großer Betrug angesehen werden sollte. Das Gesetz
freilich behandelte jeden Diebstahl, der mehr als 25 Dollar
umfaßte, als „Großdiebstahl‘“, doch fand dies Gesetz aus-
schließlich auf die Armen Anwendung. Die Reichen stan-
den über allen Gesetzen und wußten, daß sie ihre Fassung
und ihre Auslegung nach Gefallen beeinflussen konnten.
Unter den hervorragenden, verwegenen Kapitalisten
schrumpfte ein Betrug um ein paar lumpige Millionen zu
einer kleinen, beiläufigen Operation zusammen. Summiert