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wandte und intime Bekannte der Braut und des Bräuti-
gams bei.“ Die elegante Einfachheit bestand in Geschenken,
deren Wert auf rund eine Million Dollar geschätzt wurde,
und in einer kostspieligen Feier. Ob die Braut schön und
der Bräutigam klug war, wurde mit keinem Wort erwähnt;
es rief nur der eine allmächtige Umstand Begeisterung
hervor, daß die Braut ein eigenes Vermögen von etwa
ı2 Millionen Dollar hatte.
Die genaue Summe, die den Grafen veranlaßte, seinen
Titel zu verkaufen, wußte niemand außer den beteiligten
Parteien. Ihr Vater war 1899 gestorben und hatte ein Ver-
mögen hinterlassen, das sich nominell auf etwa 100 Millionen
Dollar belief, Sein tatsächlicher Umfang war viel größer.
Es war seit langer Zeit, wie die Steuerveranlagungskom-
mission für den Staat New York 1903 angab, bei den sehr
reichen Leuten üblich, die Erbsteuer durch ein betrüge-
:isches Verfahren zu vermeiden. Sie legten z. B. Aktien
oder Geld in Briefumschläge und verteilten diese auf dem
Totenbett unter die Erben, bzw. hinterließen sie ihnen
heimlich!). Wie sein Vater war Cornelius Vanderbilt am
Schlage gestorben. In seinem Testament fand er seinen äl-
testen Sohn Cornelius mit ein paar lumpigen Millionen ab.
Und der Grund für diese väterliche Härte? Er hatte Cor-
nelius’ Heirat nicht gebilligt. Seinem Sohn Alfred, dem
vielfachen Multimillionär, hinterließ er den größten Teil
seines Vermögens und vermachte seiner Witwe, seinem
Sohn Reginald und seinen zwei Töchtern viele Millionen.
Cornelius protestierte gegen die Ungerechtigkeit und
Härte, mit ein paar Millionen zum Bettler gemacht zu
werden, und drohte mit einer gerichtlichen Klage, worauf
Alfred, dem die Notlage, in die sein Bruder Cornelius
versetzt war, leid tat, ihm sechs oder sieben Millionen
schenkte, damit er die dringendsten Bedürfnisse befrie-
digen konnte.
Die Ehen mit ausländischen Aristokraten sind ein Ventil
für das Vanderbiltsche Vermögen geworden, obwohl die
Vanderbilts dank ihrem großen Einfluß auf die Gesetze
1) Vgl. Annual Report of the New York State Board of Taw Commissioners,
New York Senate Document, No. 8, 1903, S. 10.