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scheinen mehr als 12 Millionen Dollar betragen zu haben,
die er ganz, oder doch nahezu ganz, persönlich behielt.
Bei den nach der Krisis von 1873 fallenden Preisen für
Lebensmittel und im Vergleich mit den heutigen Unter-
haltskosten entsprach diese Summe etwa dem doppelten
Betrage in unseren Tagen.
Ohne seine Gier, und seine dauernde Unfähigkeit, seinen
Verbündeten treu zu bleiben, hätte Gould diese gestohlenen
Summen behalten können. Sein Verrat an einem von ihnen,
Henry N. Smith, der sein Kompagnon gewesen war in der
Maklerfirma Smith, Gould & Martin, hatte.schlimme Fol-
gen. Gould veranstaltete einen „Corner“ in Aktien der
Chikago- und Northwestern-Eisenbahn, oder, verständlicher
gesprochen: er kaufte die vorhandenen Aktienvorräte auf
undtrieb dann den Kurs von 75 auf 250. Smith gehörte zu den
Börsianern, die, wie Gould beabsichtigt hatte, durch diese
Operation schwer geschädigt wurden. Um sich zu rächen
übergab Smith die Bücher der Firma, die sich in seinem
Besitz befanden, dem General Barlow, dem Beirat der pro-
testierenden Aktionäre der Erie-Eisenbahn!). Sehr bald
wurden die großen Diebstähle entdeckt, und es wurde ein
Verfahren eingeleitet, das Gould zwingen sollte, etwa
ı2 Millionen Dollar zurückzugeben. Ebenso wurde ein
strafrechtliches Verfahren gegen ihn anhängig gemacht,
und Gould wurde verhaftet und unter Anklage gestellt.
Fine außerordentliche Rückerstattung‘
Scheinbar war Gould verloren. Aber die Sache nahm
einen wunderbaren und unerwarteten Verlauf, der die Schar
der Börsianer mit Bewunderung für seine List und Kühnheit
erfüllte. Er faßte den Plan, die Rückerstattung selber zu be-
nutzen, um weitere Millionen durch Spekulation zu er-
beuten; er wußte, daß, wenn bekannt wurde, daß er sich
zur Zahlung entschlossen hätte, der Kurs der Aktien sofort
in die Höhe gehen und zahlreiche Käufer auftauchen würden.
Insgeheim kaufte er so viele Aktien auf, als ihm irgend
erreichbar waren. Dann gab er mit größtmöglichem Elan
1) Railroad Investigation of the State of New York, 1879, Bd. 2, 531.