Gesicht rinnen. Die Ausdünstungen waren entsetzlich:
der triefende, krankhafte Schweiß einer Menschenmasse,
die bis an die Grenzen menschlicher Kraft erregt war.
Getäuschte Geldgier und zerschellte Intrigen und Ränke,
die sich gegen sie selbst wandten, konnte man aus den Ge-
sichtern der Männer lesen, die aus dem „Goldzimmer““ ohne
Hut und dem Wahnsinn nahe herausstürzten, als der Preis
des Goldes auf 162 stieg. In den benachbarten Straßen hatte
sich eine lärmende Menge versammelt, die teils aus Neugier
und Aufregung hierher gekommen war, teils auch aus ein-
gebildetem Interesse; es war sicher nur ein eingebildetes
Interesse, denn es war nur ein Kampf der Spitzen der
Börsenritter- und -spielergesellschaft.
Plötzlich, früh am Nachmittag, kam die Nachricht, daß
der Staatsschatz Gold verkaufe; sie schien auf Wahrheit zu
beruhen. In einer Viertelstunde war die ganze Gold-
spekulation vorbei. Es wird erzählt, daß der Mob nach
Gould fahndete, um ihn zu Iynchen, aber er und Fisk hatten
sich durch eine Hintertür entfernt und sich in die Stadt be-
geben. Es wurde allgemein angenommen, daß Gould un-
rettbar ruiniert sei. Daß er heimlich zu ungeheuren Preisen
Gold verkauft hatte, war nicht bekannt; selbst seine Ver-
trauten, ausgenommen ‚vielleicht Fisk und Belden, wußten
nichts davon. Bekannt war nur, daß er Kaufverträge über
riesige Mengen fiktiven Goldes zu sehr hohen Preisen ab-
geschlossen hatte. Tatsächlich hatten ihm seine geheimen
Verkäufe einen Gewinn von 11 bis 12 Millionen Dollar ge-
bracht. Aber wenn die Kaufverträge in Kraft traten, würde
nicht nur dieser Gewinn, sondern auch sein ganzes Vermögen
verloren sein.
Gould, der nie um einen Rat verlegen war, rettete sich
aus dieser schwierigen Lage. Er verfiel auf die Bestechung
der Gerichte. Unter verschiedenen durchsichtigen Vor-
wänden verschafften er und Fisk sich an einem Tage zwölf
gerichtliche Verfügungen!). Diese verboten im allgemeinen
sowohl der Börse wie den Mittelsmännern von Gould und
Fisk, ihre Geschäfte weiter zu verfolgen und zu erledigen.
1} Gold Panic Investigation etc., S, 18.