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trahenten geleistet mit ihrem Stabe schlecht bezahlter Ar-
beiter. Ames und seine Partner taten nichts, als daß sie aus
angemessener Entfernung zusahen und die Beute einsteck-
ten. Sobald eine bestimmte Bahnstrecke fertig war, er-
hielt die Union-Pacific-Eisenbahn Obligationen aus dem
Nationalvermögen. Im ganzen beliefen sich diese Obliga-
tionen auf 27 213 000 Dollar, um welche Summe die Re-
gierung später regelrecht betrogen wurde.
Große Bestechung und enorme Diebstähle
Von verschiedenen Privatpersonen und in der Presse
wurden der Credit Mobilier Company riesige Diebstähle
und Bestechung des Kongresses zur Last gelegt. Ein all-
gemeiner Tumult war die Folge; der Kongreß wurde mit
Denunziationen überschwemmt; er zog daraus den Schluß,
daß irgend etwas unternommen werden müsse. Man einigte
sich auf den traditionellen, schwächlichen Ausweg, eine
Untersuchungskommission zu ernennen.
Der Kongreß war ehrlich empört; die Kommission, die
vom Senat der Vereinigten Staaten ernannt wurde, legte
einen wirklichen Untersuchungseifer an den Tag. Sehr bald
gerieten die ehrenwerten Kongreßmitglieder in äußerste
Besorgnis. Denn aus Verhören ergab sich, daß einige der
mächtigsten Männer im Kongreß in die Credit-Mobilier-
Korruption verwickelt waren, Männer wie James G. Blaine,
einer der bedeutendsten republikanischen Politiker jener
Zeit, und James A, Garfield, der später ins Weiße Haus ge-
wählt wurde. Es wurde alle erdenkliche Anstrengung ge-
macht, diese Männer weißzuwaschen; die Kommission
stellte fest, daß betreffs ihrer Beteiligung „nichts bewiesen“
sei; aber so lebhaft sie auch ihre Unschuld beteuerten, der
Schmutz blieb an ihnen haften. .
Die Diebstähle der Credit Mobilier Company gab die
Kommission offen zu. Ames und seine Leute hatten, wie
die Tatsachen bewiesen, fast 44. Millionen Dollar gestohlen,
und zwar mehr als die Hälfte davon in barem Gelde. Die
Kommission allerdings war nicht so brutal, es Diebstahl zu
nennen; mit echt parlamentarischer Rücksicht auf Zartheit