Full text: Geschichte der großen amerikanischen Vermögen (Bd. 1)

die 110 Pfund Sterling gekostet hatten, bezeugten sogleich 
seinen großen Wohlstand und seine hohe Stellung. Er 
besaß die außerordentliche Menge von 104 Silberknöpfchen 
zum Schmuck seiner Kleider. Wenn er spazieren ging, 
stützte er sich auf einen Stock mit schwerer silberner Krücke, 
und beim Reiten saß er in einem eleganten Sammetsattel. 
Seine drei Degen waren von feinster Machart; zuweilen 
bevorzugte er einen türkischen Krummsäbel. Wenige 
Uhren in den Kolonien konnten sich mit seiner massiv 
silbernen Taschenuhr vergleichen. Seine Tafel war ver- 
schönt von schwerem Silberzeug im Werte von 150 Pfund, 
mit eingraviertem Wappen. Zwölf Negersklaven gehorchten 
seinem Kopfnicken; er hatte eine große Zahl leibeigener 
Lehrlinge und abhängiger Arbeiter. 
Sein Landhaus sah nieder auf zwanzig Morgen Weizen 
und zwanzig Morgen Mais; seine Pferde und sein Vieh 
waren der Neid des. Landes. In seinen letzten Jahren be- 
3aß er dreißig Pferde, vierzehn Ochsen, sechzig Stiere, 
achtundvierzig Kühe und zwei Bullen. Er lebte wüst, 
ar trank, er fluchte, er betrog — und sprach Recht. 
Eine der besten und genausten Schilderungen von 
einem etwa gleichzeitigen Landmagnaten im Süden, von 
dem virginischen Pflanzer Robert Carter, gibt Philipp Vickers 
Fithian, der in Carters Familie Erzieher war, in seinen 
Briefen und Tagebüchern (1767—1774). Carter erbte seine 
Ländereien von seinem Großvater, dessen Grundbesitz 
und andere Güter so ausgedehnt waren, daß man ihn 
„König Carter“ nannte. 
Robert Carter schwelgte in Nomini Hall, einem großen 
kolonialen Herrensitz in der Grafschaft Westmoreland. 
Dieser wurde zwischen 1725 und 1732 aus Ziegelstein mit 
fester Mörtelbedeckung erbaut, was ihm eine vollkommen 
weiße Fassade verlieh, und war 76 Fuß lang und 40 Fuß 
breit. Das Innere war für jene Zeit von ungewohnter Pracht, 
wie nur die Allerreichsten sie sich leisten konnten. Es be- 
stand aus acht großen Zimmern; eins davon war ein dreißig 
Fuß langer Tanzsaal. Carter verwandte die. meisten seiner 
Mußestunden auf das Studium des Rechtes und der Musik; 
seine Bibliothek enthielt 1500 Bände, und er besaß auch eine
	        
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