Full text: Geschichte der großen amerikanischen Vermögen (Bd. 1)

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Landherren und den Kapitalisten ihrer eigenen Heimat 
ausgeplündert und um Hab und Gut gebracht worden 
waren, ihren letzten Pfennig den Reedern für die Überfahrt 
nach Amerika hatten zahlen müssen. Nun gab es Gesetze, 
wonach die Schiffsmeister über diese armen Teufel Listen 
führen und dafür Sorge tragen mußten, daß die Auswanderer 
in Amerika nicht der Allgemeinheit zur Last fielen. Diese 
Gesetze wurden systematisch und erfolgreich umgangen: 
man setzte die armen Auswanderer einfach irgendwo an 
einem dunklen Orte der Küste ab — von da aus könnten 
sie sich, so gut es ging, mit ihrer Bagage und ihren Betten 
zu einer Stadt schleppen. Cadwallader D. Colden, ‚der 
einige Jahre lang Bürgermeister von New York war, berich- 
tet, wie ein Todesfall nach dem andern die Folge dieser 
grausamen Aussetzung war. 
Wenn nun der Einwanderer oder der Eingeborene dem 
letzten Elend nahe war und zum Leihhaussging oder zum 
Diebstahl griff — was geschah? Das Gesetz verbot den 
Pfandleihern, für Objekte von über 25 Dollar Wert mehr 
als 7 Prozent zu nehmen; für Objekte unter diesem Wert 
aber durften sie bis zu 25 Prozent nehmen. 
Der Arme aber besaß natürlich selten ein Objekt über 
25 Dollar; infolgedessen keuchte er unter dem schwersten 
gesetzlichen Wucher. Nach dem Bericht eines städtischen 
Ausschusses von 1832 waren drei Fünftel der verpfändeten 
Objekte weniger als ı!l/, Dollar wert. 
Dafür konnten aber die Besitzenden nicht bloß zu an- 
genehm niedrigen Zinsen Geld bekommen, sondern ver- 
fügten auch, wie wir sehen werden, vermittels der Regie- 
rungsgewalt frei über die öffentlichen Gelder bis zur Höhe 
von vielen Millionen Dollar. 
Straten tür die Armen 
Wenn jemand äußerste Not litt und zum Diebstahl griff, 
um sich und die Seinen vor dem Hungertode zu bewahren, 
so fiel sofort die ganze Schwere des Gesetzes auf ihn herab. 
Eine Sache von 25 Dollar Wert zu stehlen galt schon als 
schwerer Diebstahl und wurde mit drei Jahren Gefängnis
	        
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