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Die Naturphilosophie. — Campanella.
wesen scheidet, so kann er dennoch des Bewusstseins seines Ur-
sprungs niemals gänzlich verlustig gehen. Das „Gewahrwerden“
seines Zusammenhangs mit dem höchsten Sein und die Liebe,
die aus dieser Erkenntnis entspringt, bildet die innere Wesenheit
und den Grundtrieb des Intellekts, der sich zur Betrachtung
seiner selbst und seiner Ursache zurückwenden muss, um hier
mittelbar alle anderen Dinge wiederzufinden und zu begreifen.
Alles Wissen will und erstrebt nichts anderes, als die Vereinigung
mit seinem Gegenstande, zuletzt also die Auflösung in das ab-
solute Sein: „cognitio“ ist — wie etymologisch spielend ausgeführt
wird — mit „coitio cum suo cognobili“ gleichbedeutend.4) Von
neuem sehen wir hier, wie nahe der „Empirismus“ der Epoche
an die spekulative Mystik angrenzt. Die Verbindung und
Mischung dieser beiden Züge tritt uns sodann noch einmal in
merkwürdiger individueller Ausprägung in dem Manne entgegen,
der die Entwicklung der Naturphilosophie abschliesst, Die
Metaphysik Campanellas ist es, in der alle gedanklichen Motive
der Zeit sich nochmals zusammendrängen und in der all ihre
Gegensätze in Eins gefasst sind. —
HI.
Durch Campanellas Erkenntnislehre zieht sich derselbe
Zwiespalt, der für seine gesamte Philosophie, wie für sein Wesen
und seine Persönlichkeit charakteristisch ist. Die widerstrei-
tenden Tendenzen, die das Zeitalter der Renaissance bewegen,
treten sich bei ihm noch einmal in all ihrer Energie und
Schroffheit entgegen. Wie er, im Gebiete der Politik, zum Ver-
künder und Märtyrer seiner sozialen Gedanken wird, zugleich
aber in seiner Schrift über die Spanische Monarchie noch einmal
das strenge mittelalterliche Ideal der Hierarchie vorzeichnen und
verteidigen kann, so bleibt er, der in seiner Apologie für Galilei
{ür. die Freiheit. der, wissenschaftlichen Forschung eingetreten
war, durch innere wie äussere Gründe an die kirchliche Ent-
scheidung über das neue Weltsystem gebunden. Dieselbe Schrift,
die die Umrisse seiner sensualistischen Psychologie entwirft,
spürt zugleich den ersten Gründen der Magie und ihrer Wirkungen