Full text: Tonkunst, Bildende Kunst, Dichtung, Weltanschauung (E,1.1902)

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Bildende Kunst. 
mungselemente des Übergangsidealismus in vielem Betracht 
anschlösse. Im Gegenteil. Denn das eben war für diese Über— 
gangskunst das Charakteristische, daß sie um die Mitte der 
achtziger Jahre anfing verstanden zu werden, und daß sie in 
den neunziger Jahren populär ward. In den Kreisen der 
Nation, welche nicht bloß der vergangenen, sondern auch der 
zeitgenössischen Kunst leben wollten, entwickelte sich um diese 
Zeit und mit den Jahren immer breiter ein Verständnis für 
die Stimmungen des Übergangsidealismus, und auf der breiten 
Grundlage dieser Empfindungen ist dann die Stimmungskunst 
des psychologischen Impressionismus erwachsen. 
Woher kam nun dies Verständnis? Es kam, um es mit 
einem Worte zu sagen, aus dem raschen Erwachsen der modernen 
Psyche in weiten Kreisen: aus der Zunahme der Reizsamkeit. Es 
ist ein Moment, das wir etwas eingehender verfolgen müssen, 
denn nur aus seinem besonderen Charakter erklären sich gewisse 
Eigenschaften des modernsten malerischen Idealismus. 
Die Reizsamkeit ist im allgemeinen eine Folge unserer 
modernen Lebensverhältnisse: sie ist das psychische Gesamt— 
erzeugnis der Entwicklung unserer heutigen sozialen und wirt— 
schaftlichen Kultur auf dem Boden desjenigen Menschen⸗ 
materials, das die Vergangenheit der Gegenwart zur Durch⸗ 
bildung dieser Kultur überlieferte. Besonders stark und be— 
zeichnend ersteht daher die Reizsamkeit in den Mittelpunkten 
des modernen Gesellschafts- und Wirtschaftslebens, in den 
großen Städten. 
Wie aber bilden sich nun auf dieser Grundlage besondere 
ästhetische Bedürfnisse? Das moderne Leben ist insofern be— 
sonders unästhetisch, als es zu beständigen Störungen der 
geistigen Konzentration führt. Das ewige Hasten, der Pfiff 
der Lokomotive, das Klingeln der Straßenbahn, die ständige 
lüberschwemmung mit Postsachen, der zudringliche Nachrichten- 
dienst der Zeitungen, die steigende Zahl von persönlichen Be— 
rührungen bei ständig erhöhter Leichtigkeit des Personenverkehrs, 
dies und vieles andere legt vor allem den Wunsch nahe, dem 
Sklaventum des Augenblicks zu entfliehen: den Wunsch nach
	        
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