Full text: Recht der Schuldverhältnisse (Bd. 2)

Vorbemerkungen, 
Tatbeltand eine DeliktZ (culpa), Das ültefte Recht fannte nur dieje Bedeutung der Schuld 
und beurteilte das fihH daraus ergebende Forderungsrecht des Berlekten aus dem SGejficht8 
punkte der Privatrache. Val. für das röm, Recht v. SKhering, SGeiit des röm. Rechts I$1la; 
Ennecceru8, Bürgerl. Recht II S. 570 Note 1. Erit aNmäglichH Hat fich Hieraus der Begriff 
der Schuld al8 einer privatrechtlihen LetitungsSpflicht abgezweigt und Hezeichnet nunmehr im 
engeren privatrechtlihen Sinne den Leiftungsgegenftan db oder ZeiftungSinhalt 
jefbft (Leiftenfollen bzw. Bekommenfollen). IS Haftung8 grund wird dann die Schuld mit 
der Haftung jelbft identifiziert; fie bindet wie eine Seffel, Kann durch Tilgung „gelöft” werden 
(debitum solvere), und fo wird jeneS „löfen“ der Scquld in der römtichen Nechtafprache als 
solutio ebenjo mie im der älteren germanijchen Necht3iprache geradezu Name der Leiftung 
im Wweitelten Sinne (solvere = zahlen). 
Das Wort „Schuldverhältnig“ umfaßt munmehr im Brivatrecht wie der Ausdrud 
„Obligation“ die Gejamtheit der auf Grund einer Schuld zwijden Gläubiger 
und SoOnldner beftehenden Beziehungen, alfo jowohl die Schuld, das Leiften: 
ioflen, al3 au das „Bekommenfjollen“, demnach fowobhl den Anipruch al3 auch die Haftung 
Hir die Schuld. 
Daß die im vorftehenden Herbprgehobene Unterjheidung zwijgen Schuld (der haffiven 
Seite) bzw. Anfpruch (der aktiven Seite) einerfeitZ und der Hafıung in der deutfH-rechtlihen 
Auffaffung des Obligationenrecht3 begründet ift, pflegt nicht mehr beftritten zu werden. Val. 
3- 3. Dernburg, Bürgerl. RN. II S. 2. Nur einzelne Komaniften ftelen die Erheblichteit der 
Untericheidung für daS v dm. Recht und unter Bezugnahme darauf au für das BOB. 
in Übrede. So Dernburg a. a. O., menngleih au diejer einige Nachwirkungen der alten 
deutih-rechtlidhen Borftellung einräumt. Dagegen wendet fid bemerkenSwerter Weije Befkfer, 
Sprachlidies und Sachlihes zum BSB. in JheringS Yahrb. Bd. 49 (1905) S. 64 ff. „Der 
SGegenfjag von Schuld und Haftung in dem angegebenen Sinne beherricht geradezu das 
cöm. NMecht und it wohHl in keinem anderen zu feineren Konfequenzen verarbeitet“). Bol. 
heifpiel8weife 1. 14 8 10 D. de furtis 47, 2. (Die actio furti fann uuc derjenige anftellen, 
ber für die geftohlene Sache Haftet, nicht jeder, der fie unter Umftänden fordern kann, 3. B., 
nicht der HauSvater, wenn deffen Haus[ohne eine diejem geliehene Sache geftohlen worden). 
Die von Siber, Rechtzwang S. 1 ff, 258 f., ferner in Iherings SXahıb. 1906 S. 55 ff. 
neuerding3 mit großer Ausführlichkeit geltend gemachten Einwendungen fönnen m. €. die 
hier vertretene ANuffajfung nicht widerlegen. Unfere Unter[heidung würde, jelbft wenn 
die römijdhen Jurifien jte nidt erlannt hätten, für jedes Schuldrecht Togif un- 
abmwei8bar jein, So hat fiH neuerding8 au DYDertmann, Das Recht der Schuldverhältniffe, 
2. Aufl. S, 3 fülr ihre Verwertung in günftigem Sinne geäußert. M. €. ift fie nicht nur 
filt das Verftändnis der fog. natürlichen Verbindlichleiten, für die richtige Unterfheidung von 
Schuldverhältniffen und Anfprüchen, jondern auch (febhe unten, Vorbem. zum 6. AbihHnitt) 
vor allem für eine Klärung der Begriffe über Gefamtichuldverhältnifile von arund- 
leqender Bedeutung. 
2, Das Schuldverhältniz bildet eine Unterart des relativen NechteS, e3 il ein rein 
perfönlihes Beziehungsverhältni3, begründet Rechte und Berbindlichleiten nur zwijhen den 
VPerfonen, welche durch dasielbe in eine rechtliche Beziehung zueinander aetreten find und 
begründet keinerlet unmittelbare Herridhaft über eine Sache. 
Insbefondere kennt das BGB, fihH im Obligationenrecht ftreng an die vömifch:recdhtz 
he Begriffsentwichung anjhließend, nicht da3z dem Preuß, ULR, bekannte fog. Mecht zur 
Sache, jus ad rem, d. h. eine relativ dinglidhe Wirkung der Obligation, derzufolge (val. 
BEN. TIL I Dit. 10 8 25; TL.I Zit. 19 8 5) der [pätere Erwerber, der einen obligatorijhen 
Anipruch auf die Sache, das fogenannte Recht „zur Sache“ des früheren Erwerber8, kannte 
diefem felbjt dann weichen mußte, wenn ihr die Sache tradiert War, obgleich er alfjo uns 
zweifelhaft Eigentun: an derfelben erworben Hatte, Bal. auch SS, zu Urt. 179, Bem, 2. 
Siehe au Langheineden, Anfpruch und Sinrede S. 14; Crome, Syltem B S& 138 
Anm. 8 a. 6. Dernbura, BR. II 8 63 (3) S. 186
	        
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