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I. Wbinitt; Inhalt der Schuldverhältnifje.
daß er den Gegenftand durch eine vorfäglihH begangene unerlaubte Handlung
erlangt Hat,
Der Gläubiger kann die Nusübung des Zurücbehaltungsrechts durch Sicher“
heitsleiftung abwenden. Die Sicherheitsleiftung durch Bürgen {ft ausgefchloffen.
©. I, 233, 234 Sab 2, 3, 285; IX, 280; IL, 267.
efen und Wirkung des Zurücbehaltungsrechts,
u Das hier vom BOB. allgemein für alle Schulbdverhältnifje anerkannte „Zu x üd-
behaltungSredht“ it eine Ta Musgeitaltung der römifch-rechtlidhen exceptio
doli generalis nach gewiffen Kichtungen hin, ohne daß darum die weitere durch die
38 249, 157 des BGG. gegebene Anıvendung diefer exceptio befhränkt wird. ES ent“
‘pricht der Billigkeit, daß der Schuldner die Befugnis habe, eine von ihm gefchuldete
Veiltung {olange 3u verweigern, bis ihm eine von der Gegenjeite gebührende Seiftung zU-
toil wird. Eine Unterart diejer allgemeinen Einrede bildet die Cinrede des nicht
erfüllten Vertrags. Val. Derndurg II S. 133, Windfeheid-Kipp 11 S. 300 N. I
Enneccerus 11 S. 429; a. MM, KRehbein S. 90. Die Bezeichnung „Zurücdbehaltungs$-
recht“ it bloß bildlich zutreffend und nidt eben glüclih gewählt, da es fih um
das Necht der Berweigerung einer Leijtung {Olechthin, nidht bloß einer Sadd-
feijitung handelt,
Das Verhältnis der durch SS 273, 274 gegebenen allgemeinen Einrede zur Cinre de
be8 nicht erfüllten Vertrags ijft folgendes:
a) Das Zurückbehaltungsreht des S 273 feßt Keinen Vertrag voraus; e8 it
überhaupt gegeben, wenn irgendein Schuldner, einerlei ob feine Schuld auf
zinem Vertrag oder fonjtigen Tatbeftand beruht, aus demfelben re dt“
lichen Berhältnis (vgl. darüber unten HN, 1, b) einen Gegenanfpruch gegen
den Gläubiger hat, Dagegen feßt die Einrede des nicht erfüllten Vertrags
»inen gegenjeitigen Vertrag voraus (vgl. S 320).
Die Einrede des S 273 kann durch Sicherheitsleiftung abgewendet werden
Ubf. 3), diejenige des 8 320 (vgl. Mof. 1 Sag 2) nicht; im übrigen beweift
Jexobe die Fajjung des Abt. 1 Sag 2 des 8 320: „Die Vorfchrift des $ 273
Xbf. 3 findet keine Anwendung“, daß auch der Gejekgeber die Einrede des
4320 al8 einen Spezialfall des $ 273 anfieht.
DHinfichtlih der Wirkungen {ind beide Einreden die aus S 273 und S 320)
gleich. Beide Cinreden ind verzögerlidher Natur, Ihüßen aber den
Schuldner nicht, wie andere Einreden diefer Art, gegen die Verurteilung
hewirfen vielmehr, daß der Schuldner nur gegen (Empfang der thır gebührenden
Reiftung, d. b. Zug um Zug, zu verurteilen ift Cval. & 274 mit & 322).
Während jomit der & 273 mit $ 320 diefelbe ratio legis feilt und Lediglich über den
Imfang des leßteren herausragt, it diefes a feinesweg8 verwandt
mit der Aufrechnung (SS 387 ff,). Deshalb fteht der S 394 Saß 1, welt die Yuf
‚echnung gegenüber unpfändbaren Aniprüchen ausfOließt, der Einrede aus
3 273 nicht entgegen. Val. dariiber Roß in IJur. Wichr. 1902 S. 602, Pappenheint,
5. er 1902 S. 86. Soweit freilich 8 394 BGB, nicht in Betracht kommt, führt die
Burückbehaltung einer fälligen Seldforderung zu demfjelben Ergebniffe, wie eine Aufrech“
zungserflärung, ROET. in L3. 1908 S. 538 Ziff. 17, Recht 1908 11 Ziff. 2135. Val. au
Sur. Wichr. 1903 Beil. 16. VBefonderS eingehend behandelt das Wefen der Zurücbehaltung
im Vergleiche mit der Aufrechnung Lotmar, der Arbeitsvertrag S. 423 ff. Das „Zurüß
SED NOSEECDE bes $ 273 ift alio inSbefondere auch gegenner QodHnforderungen g€
geben. Zuftimmend die Be der Theoretiter, 3. 3. Kehbein S. 91, Dernburg S. 137
and der Entiheidungen, 3. 5. VLG. Köln vom 31. Oktober 1902, Kipr. d. OLG, Bd. 5
S, 456, OLG. Noltock vom 21. November 1901, Seuff. Arch. Bd. 58 S. 217, Ripr. D-
DLG. Bd. 4 S, 28, Fromherz, D. HJur.3. 1907 S. 1248—1250, Gordon, VBayr, 3. f. R-
1907 S. 75 ff. Dagegen wendet fich austithrlid Walroth, Berfuche einer Durchbrechung
de Lohnaufrechnungsverbots im Arch. für bürgerl. KR. Bd. 24 S. 256 f (Vgl. Neumanllı
SNahrb. 1905 S. 122.) Val. aud Cordes in Zur. Wichr. 1907 S. 383 ff.; Lotmar a. a. D-
Näheres hierüber in Dem. II, 2, b zu 8 614.
VBorausjekungen: Das fogenannte Zurücbehaltungsrecht des S 273 feßt voraus:
a) daß der Sa einen Anipruch Pe den Gläubiger hat, entweder
a) auß demjelben redhtliden Berhältnis (vgl. des näheren II, 1, b)
oder B) wegen Verwendungen auf einen Gegenitand, defjen Herausgabe
vom Schuldner verlangt wird (val. das MNöhere II, 2),
der 7) wegen eine8 durch den Gegenftand, defflen Herausgabe vom Schuldner
verlangt wird, vberurfachten Schadens (val. das Nähere II, 3);