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I. Wbinitt: Inhalt der Schuldverhältniffe.
nad 8 521 (vom Schenker), 8 599 (vom Verleiher), & 868 (vom Finder), 8 300 (vom Schuldner
heim Gläubigerverzug).
Im übrigen unterliegt das Maß der Kulpa-Präftation der Parteivereinbarung, die
au filliHmweigend fein kann. Unzuläffig, weil gegen die guten Sitten verftoßend,
Hit jedoch der Voranserlak der Haftung für Boriag. Ennecceru8 I $ 94 I erachtet gegen Pland
S, 73, Dernburg IX S. 153, Gruchot, Beitr. Bd. 46 S. 900, RGE. vom 17. Februar 1902,
Sur. Wichr. Beil. 194 au den Erlak der Haftung für grobe FahHrläifigkeit alZ gegen die
guten Sitten verfioßend. Angemein lüißt fidh die nicht behaupten; e8 dürfte auf die Matıtr
je VertragsverhältniffeS ankommen.
INN, Bofitive Bertragsverlehung (Forderungsverlegung)!*) Unter diejent von Staub
geprägten, aber wenig zutreffenden Ausdrud faßt die augenblidlih Herrihende Terminologie
ehr verfdhtedene Fragen zujammen, deren Beantwortung einer an Buchftaben haftenden
Auslegung des BGB. Schwierigkeit bereitet und zu außerordentlich geidhraubten Konfjiruktions-
perfuchen verleitet hat. Man bezeidhnet nämlich al8 hofitive BertragSverlegung :
U, den Fall, daß der Shuldiner dem Gläubiger durch jHuldhHafjfte
Berlegung feiner SeiftungspflidhHt (insbefondere feiner ver»
tragligen Pflidgten) einen über deffen Erfüllungsinterefte
hbinausgehenden Schaden berurfacht hat. Beijpiele: Fahrläffig-
Rieferung verfeuchten Viehs&, das den übrigen Viehbejtand des Gläubiger?
anfjtedt. — FJahrläffige Aufftelung einer faljhen Bermögen8bhilanz durch einen
SejeNichafter, melde falihe Gefhäftzdispofitionen veranlakt. — Da die Begründung
zine8 rein deliftijden ScdhabenZerfakanfpruch® au3z S$ 823 in jolden Fällen auf
Bedenfen ftößt, fojern die Nichterfüllung einer Berbindlichteit an fi noch keine
unerlaubte Handlung ijt (val. Borbem. IM, b zum 25. Titel), {fo hat man, um
dem allgemein anerkannten Bedürfni3 einer Haftung für den das unmittelbare
Interefjfe an der Erfüllung üÜberfhreitenden Schaden mangel3 ausdrücklicher
Beftimmungen des BGB, zu begründen, fogar die fog. UnmSöglichkeit8-
lehrte herangezogen und behauptet, der Schuldner Hafte in folgen Fällen
fediglid) de8hHalb, weil er gerade durch feine vertrag&midrige Beiftung bie
2igentlihe vertragSmäßige Leiftung oder menigitenZ eine mit diejer nach S 242
°ür verbunden zu erachtende Unterlafjffwung3Sbfli Ht vertragZwidrigen Ber:
jalten3 unmöglidhH gemacht habe, Val. z. B. Schöller a. a. D., Siber in
3hering3 Jahrb. Bd. 50 S. 50, 182. Dagegen u. a. Rogowsfi S. 50 ff.;
die Konfiruktion einer durch Nidtleiftung hHerbeigeführten Unmöglichkeit wider-
"pridht dem Gefeße, da diejeS die Unmöglichleit nur alS eine Urjache für Nicht-
jeiftung, nicht al8 deren Folge kennt. UnijereS Eracdhten3 widerfbriht fie auch
dermaßen der gefunden (fachliden) Logik, daß fie geradezu al8 eine der merk
mürdigften Abnormitäten {Holaftijher Denkweije regiftriert zu merden verdient.
Andere SchriftjteNler 3. B. Staub a. a. OD. glauben eine Haftung des Schuldner?
ür den Schaden nur aus den Vorichriften über Verzug (S 286) ableiten zu
önnen,
Muf ale Fälle Yt eine derartige Hinftlihe Ableitung diejer SchhadenS-
Haftung nicht nötig, da die SS 276 {f., die überdie8 eine Über daS Vertragsrecht
*) Siteratur: Staub, Die pofitiven Vertragsverlegungen 1904 (Weitidhr. f. den
Deutichen Juriftentaqg 1902 S. 29 ff); Goldmann-Llilienthal IS. 333; Scqöller
ın SGruchot3 Beitr. Bd. 46 S. 26 f.; € Müller im „Recht“ 1903 S. 541 ff, 576 ff;
Dernburg, D. Jur8. 1903 S. 1 f.; Kipp dajelbit S. 253 ff; Lehmann im Archiv
1. d. zivilift. Prazis Bd. 96 S. 60 ff; Müller-CErzbach, D. Jurß. 1904 S. 1158 ff.;
Dejie, Verträge auf fortgefeßte Lieferungen 1905; Krüdmann, D. Iur.3. 1905 S, 205 f.;
Sehmann, Die Unterlaffungspfliht im bürgerl. Recht; Befjfjer, Dos Rücktrittsrecht bei
pofitiven Vertrag&verlegungen 1906; Dörr, Zur Lehre von den pofitiven Vertragsverlegungen
m „Recht“ 1908 S. 207 ff; Enneccerus, Lehrb, II, 8 278; Brecht, Syjftem der Vers
irag3Sbhaftung in Sherina8 Sahrb. Bo. 53 S. 224 f.