44
I. Abjhnitt: Inhalt der Schuldverhältniffe.
Wenn dagegen die Unmöglichkeit zu denjenigen Tatjadjen gehört, weldhe den
Riageaniprug begründen, z. B. bei einem Schadenseriaganfprucdhe wegen Nidterfüllung,
io tritt nad & 282 eine Menderung der allgemeinen BeweiZmarime zugunften des Kläger?
sin, Der Kläger braucht nämlihH nicht zw beweifen, daß die Unmöglichkeit die Folge eine8 von
dem Schuldner zu vertretenden UmitandesS ift, vielmehr hat umgekehrt der Schuldner den
SHegenbeweis zu liefern, daß er den Umitand, defjen Folge die Unmöglichkeit der Leijtung Hit,
nicht zu vertreten Hat, Diefe Umkehrung der Beweislaft, die übrigenz auf demfjelben Gedanken
Jeruht, zufolgedefjen anderfjeitz bei Einrede- der Wichterfülung des Verirag3 der Kläger
den Beweis der Erfüllung zu führen Hat, bildet einen Vorteil für ale SchadenZerfaßkllagen
wegen Nichterfüllung von Berbindlichleiten, während hei deliktijghen Schadenszerfagklagen der
Rläger regelmäßig aud daz VBerfchulden bzw. die Vertretungspfliht des Beklagten zu beweifen
Sat, auzgenommen in dem Falle des & 831, in welchem ebenfalz die Beweislaft zugunftef
be8 Mläger8 umgekehrt ft. €E3 genügt in ber Kegel, daß der Schuldner beweift, daß er den
Umftand, der die Unmöglichkeit verurjacht, nicht verfguldet Hat; erft wenn Kläger einen
jefonderen Grund weitergehender, Über da3z VBerfehuldungsSprinzip hinausreidhender Berz
‘retung3Spflicht geltend macht, wird er aud) die weitere Megative, daß ein folder HaftungsS-
zrund nicht vorliegt, zu beweifjen haben.
YNebrigen8 tfann fig der Kläger f{tet3 den BeweiZ der Unmöglichleit felbfjt erfparen,
yenn er zunächit auf Erfüllung Magt und dann den in S 283 vorgezeichneten Weg einjhlägt
Bal. Pland, Komm. II S. 87,
VII Stelvertretendes commodum (die Erfahleiftung nah S 281) :*)
Der Umijtand, welcher die Unmöglichkeit einer Leiftung bewirkt, Kann zugleich dem
Bermögen des Schuldner einen Erfaß oder eine Erfagforderung zuführen. Hauptfäle eines
iolden Erjage3 find: die BerficherungsentjHädigung, die Enteignungsfumme, der Schaden3-
srjaß, den ein Dritter wegen einer {Huldhaften oder doch zur Entjhädigung verbflihtenden
Dandlung bzw. wegen einer Bertrag3verlegung zu leiften Hat (Vertragsftrafe), Die gemein:
techtlidhe Theorie bezeidnet einen folden Bermögenzerfag als jtelvertretendeS commodum
and fpriht ihn, unter Anwendung des Grundjakes: Commodum ejus esse debhet, cujus
periculum est, dem Gläubiger zu, wenn der Schuldner durch die Unmöglichkeit der Leiftung
irei mird, der Gläubiger aljo da3 periculum trägt. Val. Mommfen, Beitr. I S. 297 ff.,
Erörterungen I S. 76 ff. Sie beigränkt aber diefen Anjpruch ‚des Gläubiger3 auf das
Surrogat auf den Fall des eigentlidhen casus, {priht ihn alfo dem Gläubiger ab, menn die
Unmöglichteit der Leiftung durch einen vom Schuldner zu vertretenden Umftand verurjacht Mt.
DaZ BGB. dagegen gibt dem Gläubiger diefen Anfprudh fowohHl im Falle des S 276
al8 auch im Falle des 8 280, d.h. au dann, wenn ihm für die unmöglich gewordene
Zeiftung der volle SchadbenZerjaß megen Nichterfüllung zufieht; doch mindert fih nach Abj. 2
e8 $ 281 in leßterem Falle die zu leiftende Ent{Hädigung um den Wert de tatjächlich
zrlangten Surrogat3. Im übrigen fjebt au das BGB. eben]o wie daS gem. Hecht voraus,
daß der vom Schuldner erlangte BermögenZvorteil fi alZ eine Folge des Umftandes
saritellt, der feine Seiftung unmöglich macht, als! ein zunächft für iHn beftimmter Schhaden$-
au8gleid, nicht als ein Nequivalent, dazZ er ih dur ein bejondereS auf eigene Kifiko
abgefhloffenes ReHt$gejhäft verjhafft Hat (lucrum ex re, nicht Iucrum ex negotiatione
perceptum); zivar braucht der SchadenZausgleidh (da3 Surrogat) feineSweg3 die unmittelbare
Rechtswirkung des Umftande8 zu fein, der die Unmöglichleit der Letjtung verurjacht (mie
j- 3. der EnteignungSanfpruch), er kann au dırryh ein vorhergehendeS Kecht3gefhäft des Schuld-
ner? vermittelt jein; doch muß leßtereS auf Sicherung eines Erfjaße3 gerichtet fein (Verfiche:
rungSvertrag); beim BerficherungSvertrag erjHeint die EntihädigungsSfumme nicht als Gegen:
vetjtung für die gezahlte Prämie (Nequivalent), jondern als Erjaß für den eingetretenen
BermögensS{haden; diejer Erfag ift zwar einerfeit3Z durch Bertrag und die Prämienzahlung,
*) QZiteratur: Riidh, Unmöglichkeit S. 198 f.; Tige, Unmöglichkeit S. 114 fi.;
Brit. VBierteliichr. 45, S. 380 ff.