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I. Möfdnitt: Inhalt der Scqhuldverhältnifje.
IT. VBertragsmößige und gefeßliche AD onen Die Beftimmung, daß der
Schuldner N E HaHrläffigkeit zu vertreten habe, ijft nur eine dispofitive. Dur
Sejeß wie durch Barteimillen kann die Haftung des SchuldnerS erweitert oder Anal chränfkt
werben. Val. Vorbem. 11, 3 S. 112, 113. Nur die Haftung wegen Borfjabe8 kann dem
Schuldner nicht im voraus erlafien werden (f. Bem. II, 3 S. 112).
Durch SGefeßb ift die Haftung des SchuldnerS eingefhränkt:
a) auf Borfag und grobe Zahrläfjjigkeit in den Fällen der SS 300 AWbf. 1, 521,
599, 680, 968;
b) auf die Sorgfalt, melde der Schuldner in eigenen Angelegenheiten anzıt”
wenden pflegt, in den Zällen der $S 690, 708, 1359, 1664, 2131.
Durch Gefeg ift die Haftung erweitert in den Fällen der 88 279, 287 Sat 2,
578, 701, 702, 848.
Wie im gem. Necht (1. 23 D. de R. J. 50, 17) fann auch nah BGB. die Haftung
Degen Borjakes dem Schuldner nicht im voraus erlaffen werden. Inwieweit auch die
Dellung wegen groben Berfchuldenzs dem Schuldner im voraus erlajien werden kann,
vol. Borbem. II, 3 S. 142 am Ende. Die nadhträglidhe Srlaffung der aus einem vor-
lägliden Berfchulden entitandenen Anfprüche ift tatthaft. Cbenfo ijt zuläffig die Erlafjung
der Haftung wegen VBorfaßesS der in & 278 bezeichneten Berionen {{. 8 278 Sab 2).
SM durch Vereinbarung die Haftung wegen Vorfaßes unzuläffigerweife aus-
zefchlofien worden, fo hat dies die Nichtigkeit des ganzen Mechtsgefdhäfts zur Folge, wenn
nicht anzunehmen ijt, daß die Parteien das Nechtsgei daft auch ohne die fraglidhe Berein-
Jarumg vorgenommen haben würden (S 139), In der Mehrzahl der Fülle mird leßtere
anabıne begründet fein.
N ‚Streitig mar aber f%on im gem. R., ob eine vertragsmäßige Milderung der
Haftung für &Brläifiateit au in Anfedung der außerkontraktlidhen (deliktijchen)
DHaftungsgründe, insbejondere der fog. Aquilifichen culpa zuläffig fei. Val. Windicheid,
Band. I 8455 Nr. 12. Die dementipredhend auch für das BGG. Über eine vertragsmäßige
Mikderung der Haftung aus $ 823 BOB. entftandene Streitfrage it vom HeihsaeriOt
‚m berneinenden Sinne entichieden worden. Val. dafür die wichtige Enticheidung
des RG. in Jur. Widhr. 1908 S. 465—467 Ziff. 38 betr. NL des 8 1 Abi. 2 der
a für den Kaifer-Wilhelm-Ranal. Bal. auhH ROSS. Bd. 45 S. 162 Bd. 44
S. 2.
II. Bofitive Forderungsberlebungen :*)
, Durch Analogiefchlüffe in Berbindung mit SS 280, 286, 325, 326 {ft aus S 276 auch
die Haftung des Schuldners für fog. pofttive VertragSverlekungen zu folgern.
Bal. nö: Morbem. IN S. 140 f. E83 handelt fichH dabei um folgendes:
Mangelhafte Erfüllungshandlungen fönnen dem Gläubiger noch einen
weiteren Schaden verurfachen, als denjenigen, der durch fein Interelle an der
sechtzeitigen und vertragsmäßigen Leiftung unmittelbar gedeckt wird. Beilpiel8s
meije Tann durch Lieferung eineS mit anltedender Xrankheit behafteten Tieres
der übrige BiehHbeftand des Räufers infiziert werden.
Hei Sukzeffivlieferungen, 3. B. bei der Verpflidhtung, monatlich (UM
Warenmengen zu efern, ift unter Umftänden Ichon in einer mangelhaften
En ET nur eine Verlegung des Rechts auf diefe Leiftung, fondern
ungleich eine Verlegung des gangen, bie vberfchiedenen Leiltungen umfajfenden
Schuldverbältniffes zu befinden, wenn nämlich dadurch die Erfüllung der
*) Literatur: Bgal, zu diefent wichtigen Segenftande vor alem Staub, Die pofi
tiven BertragSverlegungen, 1904 (auch Feftichrift f, d. Jurijtentag 1902 S, 2 f); Crome II
5. 65; Goldmannund ZilienthHalIS. 333; Schöller in Gruchot, Beitr. Bd. 46 S. 26 ff.;
Müller, Recht 1905 S, 541, 576 ff. Dernburg, D. Iur.3. 1903 S. 1 fi; Kipb,
Dasielbe S. 253 ff.; Lehmann, Archiv f. d. zivilift. Praxis 1896 S. 60 ff; Müller-Erz-
bad, D. Jur.3. 1904 S, 1158 ff.; Heffe, Verträge auf fortgefjeßte Lieferungen, 1905 (Mar-
burger Difl.); Krüdmann, Anfechtung, Wandelung und Schadenderfaßg beim Biehkauf
3. 104 (Gute Neberficht und Gruppierung der Literatur nach den verichtiedenen Standpunkten);
Derfelbe, Unmöglichkeit, Archiv f. d. zivilift. Praxis 1907 S. 202 {f., 232 ff. Unmöglichteit
und Unmöglichteitsprozgeß (Sonderdruc, Tübingen 1907 S. 202 ff., 232 ff). (Eigentünlich
it bei Arücmann die Annahme einer allgemeinen Anzeigepflicdht, gewifjermaßen alS
:iner jelundären immanenten Nechtspfliht bei fahrläifigem. Verhalten (vgl. dazu Borbem. IV
S. 143). Val. ferner LehHmann, Unterlaffungspfliht S, 229—2831 und Brecht, Syftemt
der Bertraa8SHaftung, Xherinas Sahrb. Bd. 53 S. 224 ff.