|5*
I. Abfnitt: Inhalt der Schuldverhältnife, os
8 277.*)
Wer nur für diejenige Sorgfalt einzuftehen hat, welche er in eigenen An-
gelegenheiten anzuwenden pflegt, ft von der Haftung wegen grober Fahrläffig-
feit nicht befreit.
S. I, 145; II, 2833 9b. 2; 111, 271.
1. Diligentia quam in suis und deren Begrenzung durch eulpa Iata:
‚In allen Fällen, wo das BGB. von einer Hajtung für diejenige Eorgfalt
jpricht, welche man in, eigenen Angelegenheiten anzuwenden pflegt, wird dies mit den
Worten ausgedrückt, daß der Schuldner „nur“ für diefe Sorgfalt einzuftehen habe. Val.
die SS 277, 690, 708, 1359, 1664, 2131. Die Haltung für die Sorgfalt in eigenen
Angelegenheiten wird alfo gegenüber der regelmäßigen Haftung des S 276 al8 eine
zingelhränfkte Schott, Wer alfo in feinen eigenen Angelegenheiten eine höbere
ıl8 die im Verkehr erforderliche Sorgfalt anzuwenden pflegt, bat für diefe höhere Sorg-
jalt nicht einzuftehen. . a .
Wendet der Schuldner ein, daß er in feinen eigenen Angelegenheiten nur ein ge
ringeres Maß von Sorgfalt beobachte, jo muß er dies hemeifen, hat aber im Falle
de3 GelingenS des Beweifes nur für daS geringere Maß von Sorgfalt einzujtehen.
Stets aber haftet er wegen a NEL Non S®rob fahriäffig handelt, wer
bie im Berkehr erforderliche Sorgfalt in bejonders {Hwerer Weife außer acht Läßt. (Val.
Borbem. IL, 2, b S. 140, Bem. I, 2, d zu $ 276).
IL. Im einzelnen ift noch hervorzuheben:
1. Der $ 277 fpricht von derjenigen Sorgfalt, weldhe man „anzuwenden pflegt“,
nicht von Der int Verkehr erforderlichen Sorgfalt; der Paragraph deutet damit auf
die perfünlichen individuellen Gemohnheiten (Gepflogenheiten) des betreffenden Schuldner?
im: Gegenjab zu den Gepflogenheiten der Aigemeinheit. Der Maßitab der diligentia
uam in suis foll ein, für den Schuldner günftigerer fein, al derjenige der im
Bertebr erforderlichen Sorgfalt. rot, VS. 419.
3, € handelt fiH um die Sorafalt, weldhe der Schuldner in eigenen An-
zelegenheiten anzuwenden pflegt. Das Wort „Angelegenheiten“ umfaßt die ganze
Intereffen]phäre des Schuldners, nicht bloß Rechtsangelegen beiten (Weyl a. a. OD. S. 284).
83. Die Bezugnahme auf diligentia quam in suis ift Sache des Schuldner8 d. h. er
hat den Erkulvationsbeweis zu führen. Wenyl a. a. DO. S. 287.
S 278.**)
Der Schuldner hat ein Berfchulden jeineS gefjeglidhen Bertreters und der
Berjonen, deren er fihH zur Srfüllung feiner Verbindlichkeit bedient, in gleichem
Umfange zu vertreten wie eigeneS BVerfchulden. Die Borfchrift des S 276 Abi. 2
Äindet feine Anwendung,
G. I, 224 Of. 2; II, 234; III, 272.
N in zunäch ft bieber im allgemeinen Vorbem. V S, 144. (Vertretung fremden
Berfichuldens),
L Borausjegungen des S 278:
A, Ein Berfhulden in Anfehung der Erfüllung einer Berbindlihkeit
des Schuldners, d. bh. ein Verfhulden, weldhes zur Wirkung hat, daß die dem Schuldner
aus einem beftehenden Shuldverhältnifje obliegende Verpflichtung nicht oder
nicht gehörig erfüllt wird. Val. das Nähere Ben. MN.
Yuf ein Verfhulden beim Abjhluffe (culpa in contrahendo) eines Vertrags
bezieht fich die Borfchrift der S 278 nicht (vgl. RO. Bd. 61 S. 207 ff.), ebenfowenig
auf ein Deliktifhes Berfhulden. Dies zeigt fowohl der Wortlaut des Paragraphen
al8 feine Stellung unter dem Titel „Verpflichtung zur Leiltung“.
Sm Salle einer unrichtigen Nebermittlung beifpiel8weife eine Bertragsantrag3 ift
8 122 anwendbar. Eine analoge Au8dehnbarkeit diefer VYorfchrift und des dem & 278
* Ziteratur: Bal. Literatur zu Borbem. II, 2 S. 138. Außerdem Weyl, Syfjtem der
Berfhulden3hegriffe S. 283 ff; Hagen, Die fog. culpa in conereto 1901; Sander, Sin
Beitrag zur Lehre von der diligentia quam in suis, Berlin 1898; Megenbacher, Beiträge
jur Sehre von der culpa in coucreto, 1896,
*%) Qiteratur liebe Borbem. V S. 144.