Die Immanenz der Naturgesetze.
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findet‘), ist im Keime schon bei Agrippa vorhanden, bei dem
im ganzen freilich die ältere Vorstellungsart noch vorherrscht.
„Die Erkenntnis der Abhängigkeit der Dinge in ihrer Aufeinander-
folge“ ist, wie er im selben Zusammenhange ausspricht, „das Fun-
dament jeder Wunderwirkung und irrig ist es, zu glauben, dass
ein Ereignis die Natur übersteigt und ihr entgegen ist, das nur
von ihr aus und ihr gemäss erfolgen kann.“ Der geschicht-
liche Gang des Denkens geht nicht von einem mechanischen
Bilde des Alls aus, dem die Phantasie nachträglich Leben und Be-
seelung verliche; vielmehr ist die ursprüngliche konkrete Ein-
heitsanschauung, die Bewegung und Leben in Eins setzt, die Vor:
bedingung, aus der durch wissenschaftliche Analyse und Son-
derung der Begriff des Mechanismus gewonnen wird. —
Und wie hier der Gedanke der Weltseele dem neuen
Naturbegriff vorangeht und ihn vorbereitet, so dient er auf der
andern Seite dazu, die unableitbare Eigentümlichkeit des Be-
wusstseins festzuhalten und auszusprechen. Das Bewusstsein
kann nicht von den Dingen und Elementen der Natur als
sekundäres Ergebnis hergeleitet und aus ihnen erklärt werden:
es muss als erste und notwendige Bestimmung bereits von An-
{ang an in sie hineingelegt werden. Der „Sinn“ ist — wie es
Campanella ausspricht, der als Letzter in der Reihe der Natur-
philosophen das Ergebnis der Gesamtbewegung noch einmal zu-
sammenfasst — keine äussere Beschaffenheit, kein Modus, der
an irgend einem einzelnen Sein haltete und darauf beschränkt
bliebe, sondern ein wesentliches Attribut und eine aktive Kraft
„Sensus non videtur esse modus quidem existentiae, sed res
assentialis visque activa“.5) In diesem Ineinander von Be-
wusstsein und Kraft sehen wir ein metaphysisches Motiv vor
uns, das bis weit in die neuere Philosophie hinein fortwirkt und
das vor allem auf Leibniz vorausweist. Die Naturphilosophie
der Renaissance hat das Material geschaffen, das Leibniz seiner
Auffassung und Theorie des Organismus zu Grunde legt. Die
Kraft ist auch hier nicht ein Produkt des Seins, sondern dessen
notwendige Bedingung: keinem Wesen können wir ein bestimmtes
Dasein zusprechen, ohne dass wir es zuvor mit bestimmten
„Vermögen“ und Fähigkeiten ausstatten. Die Existenz jedes
Dinges ist dadurch bedingt, dass es die Tendenz besitzt, von dem
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