Full text: Recht der Schuldverhältnisse (Bd. 2)

363 
Tilgung jämmtlicher Schulden aus, jo wird diejenige Schuld getilgt, weldhe er 
bei der Seijtung beftimmt. 
Xrifft der Schuldner keine Beftimmung, fo wird zunächit die fällige Schuld, 
Unter mehreren fälligen Schulden diejenige, welche dem Gläubiger geringere Sicher- 
Te bietet, unter mehreren gleich ficheren die dem Schuldner läftigere, unter mehreren 
gieich (ältigen die ältere Schuld und bei gleichem Alter jede Schuld verhältniß- 
mäßig getilgt. 
z in 267; 1X, 815; 111, 360. 
„4. RMeihenfolge, in welcher mehrere Schuldverhältnifie mit gleidhartigen 
Keiungsgegenitünden durch eine zur Tilgung fämtlider Schulden nicht aus- 
ende Keiftung getilgt werden. 
Vorausfeßung der Anwendbarkeit des 8 366 ift: , 
a) daß mehrere auf gleimartige Leiftungen gerichtete Schuldverhältniffe 
wijchen Ddemfelben Släubiger und Schuldner beftehen. Die Kegeln des 
S& 366 finden au Anwendung, wenn durch ein und Ad tat Sohuld- 
verhältnis im weiteren Sinne mehrere gleichartige Verbindlichkeiten 
des Schuldners gegen den Gläubiger En ba 3. DB. au8 einem MietS- 
verhältniffe meter MietSraten. Wal. Band Bem. 1 zu S 365. U. M. 
Niendorf, Mietrecht II S. 136 Neumann, Jahıb. I S, 269), welcher in der 
Zahlung einer MietSrate eine Teilzahlung erblidt und daher dem Gläubiger 
die Deftimmung überläßt, ob und auf welche Schulden er fie annehmen will. 
Die Auslegung Niendorfis beruht auf einem Mißbrauch des fog. arg. a 
contrario, {ojern {ie das Mebeneinanderbefteben mehrerer Schuld- 
verhältnifie im meiteren Sinne al. VBorbem. I, 1 zum I. Buch S.3) fordert; 
der Ausdruck „Schuldverhältniffe” kanıt auch in dem Yorbem. zum 1. Buch I, 3 
S. 4 erürterten engeren Sinne aufgefaßt werden und dies H{t Jogar im BOB. 
die Regel. Val. S 241. Das Recht des Gläubiger, eine Teilleiitung 
zurüczumeijen, mird dadurch nicht berührt. Baal. S 286. . 
Eine Teilleiftung legt vor, menn eS fih um eine bloße Yuote eines 
auß ein und demjelden Schuldarunde entjprungenen, fälligen Anfpruchs 
handelt. Der Gläubiger kann eine foldhe Leilletftung ablehnen, fofern 
nicht eine der in Bem. 4 zu & 266 genannten Ausnahmen gegeben ift; lehnt 
zr {te aber nicht ab, {o muß er nach $S 366 zunächft bie einfeitige Beftimmung 
des Schuldners, event. die ergänzenden VBorfehriften des Ubi. 2 gelten lafjen. 
Sm Gegenfaße zum PLR, IL. | Lit. 16 58 150 ff, daS nur von Zahlungen 
jpricht, bezieht ih S$ 366 auf Leiftungen jeder Art; e8 ift auch nicht 
notwendig, daß eS fich um vertretbare Sachen handelt; doch müffen die 
SGeiftungen nur der Snattung nach beftimmt und muß die Sattuna hei allen 
diefelbe fein. land a. a. O. 
Die Leiftungen müffen gleichartig fein, d. h. cs müflen entweder, 
bei Sachleiftungen, Sachen derjelben Gattung in Frage kommen, } B. Geld 
oder vertretbare Sachen, 3. B. Waren derjelben rt, oder Gandlungen der 
Urt, daß ihr wirtichaftlidher Inhalt unabhängig {it von der Berton bes 
Släubigers. Val. 8 399. 
3 366 Wbf. 1 feßt eine freiwillige Leiltung voraus. Fraglicdh ift, ob S 366 
Aof. 2 auch auf zivangsSweije Beitreibungen ent{predende Anwendung 
findet. Dagegen Dernburg II S 117, Rehbein Bem. 15 zu 55 362—371, 
Endemann | $ 141 Bem. 47. Mit Planck Bem. 5 zu S 366 wird die Frage 
zu bejahen jein; denn nad $ 819 ZRO. iit bei der Zmwangsbolliredung die 
Empfanagnahme des OS durch den Gerichtsvollsieher als 
Rahluna von feiten des Schuldners anzırfehen. Selbitueritändlich it biete 
IS BOB, in _966; Strudmann, dafjelbit 
} . ering3 SYahrb. Bd. 32 S, 99—123, 262—266; Stru t 
SS. 383 ©. 251 Y ; N Ohne arednung einer Zahlung des Schuldner auf mehrere Geld= 
Aulden had) gem. N. Difiert. Koftod 1894; Genden-Linden, Auf EN a bene 
a "derungen {ft eine dom Schuldner geleiftete Zahlung, welde nicht zur De Gras gt 
'9 gen AUSreicht, anzurednen? Gretjäwald 1895 (3. Abel); Ofiig, N EEE 
S bel); Rogge, Difi. Greifswald 1900; Faften an, Die Souldtilgung > Se ehrheit don 
Eetderungen de ®Gläubiger8 gegen denfjelben Schuldner. Diff. Leipzig ; reti mar, 
eülung ©. 109 #f.; Pringsheim, Das Necht des Blirgen zu NHeitimmung und Wahl in 
TUdota Bejtr. AN k9 & 136
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.