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Zweiundzwanzigstes Buch.
gegen die Luzianischen Geister, so schlug doch die Stimmung
schließlich um, und Lichtenberg schrieb dem Enthusiasmus die
boshafte Grabschrift: „Shakespeare standen zu Dutzenden auf,
wo nicht allemal in einem Trauerspiel, doch in einer Rezension;
da wurden Ideen in Freundschaft gebracht, die sich außer
Bedlam nie gesehen hatten; Raum und Zeit in einen Kirsch—
kern geklappt und in die Ewigkeit verschossen; es hieß: eins,
zwei, drei, da geschahen tiefe Blicke ins menschliche Herz, man
sagte seine Heimlichkeiten, und so ward Menschenkenntnis.“
Schon um 1780 schien es, als ob die Bewegung im
Abschwellen sei; wenigstens die Wogen des Sturmes und
Dranges glätteten sich, und nur Empfindsamkeit allein schien
als Dünung noch einstweilen zurückzubleiben: so „ennuyierten“
z. B. in Leipzig bereits Dramen wie Hamlet, Lear, Julius
von Tarent; was man sehen wollte, waren die dramatisierten
Leiden des jungen Werthers. Da führte, jetzt wohl in wenig⸗
stens zunächst nur literarischer Bewegung, das Auftreten des
jugendlichen Schiller noch einmal ein Aufflackern der seelischen
Erscheinungen und Motivenreihen des Sturmes und Dranges,
wenn auch in zusammengeschnürter Form, herbei; es kamen
die Jahre der Räuber, des Fiesco, der Kabale und Liebe;
und nur das unterscheidet diesen letzten verspäteten Wellen—
schlag, wie er sich bei so vielen sozialpsychischen Erscheinungen
von Bedeutung wahrnehmen läßt, von der Originalzeit, daß
in ihm schon konkretere, namentlich politische Motive über⸗
wogen.
Im übrigen aber wird man ruhiger. Die Geister, die
ich während des Taumels als klar bewährt hatten, auf dem
Gebiete der Literatur und Wissenschaft ein Lichtenberg, Lessing,
Kant, gewannen in der Nachwirkung früherer Schriften wie
in neuer geistiger Betätigung das Ohr der Nation; und die
Besten der Jungen, ein Herder, Goethe, Schiller, schlossen sich
ihnen an, wenn nicht inhaltlich, so doch in der wachsenden
Gleichmäßigkeit ihrer Anschauungen und Gefühle. Und eben
von ihrem Wirken her entstand allmählich, von der Nation
schließlih mit höherer Wärme aufgenommen, eine geistige