Full text: Recht der Schuldverhältnisse (Bd. 2)

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I. AbiHnitt: Inhalt der Schuldverhältnifije, 
10 Sriedrichsdors oder „Siegestalern“ gerichtet ift. Hier liegt eine reine ©attungs- 
19uld vor, weldhe nach S$ 243 mit $ 279 zu beurteilen ift. Cbhenjowenig findet S 245 
Anwendung, wenn einzelne Münzen al8 individuelle Sachen, 3. 3. drei im Laden eines 
Händlers befindlidhe SGeorgitaler, gefchuldet werden. nm Diejfem Falle handelt es 
ich um eine gewöhnlide SpezieS{huld, für weldhe die allgemeinen gefeßlichen 
Beftimmunaen gelten. 
Vorbemerkungen zu SS 246—248 (Zinfen). 
Die 58 246—248 regeln einige befondere Fragen der Zin2pflicdht.*) 
Binjen find die von dem Schuldner zu entrihtende fortlanfende Vergütung für den 
SGebrauchswert eine Kapitals, ausgedbrücdt in einem Teilbetrage der gefhuldeten Menge 
(Endemann ILS 122); fie gelten al8 Früchte (NMecht8früchte) de8 Kabitals. Val. Bd, I S. 285. 
Das Kapital muß aber in Geld oder in anderen vertretbaren Sachen beitehen. Zinjen find 
Nebenleiftungen, die neben einer auf Gattung 3 Jachen gerichteten Hauptfhuld erfüllt werden 
und die ftet3Z In Sachen derjelben Gattung beftehen, wie jene. Keine BHinjen find die fog. 
Miet und Bachtzinfen, d. h. Gegenleiftungen für den Gebrauch einer Shezie8jache. Keine 
Binjen im Sinne der folgenden Paragraphen find Renten; doch werden {oldje hei der Kenten= 
juld und bei Leiftungen aus Reallaften den Hypothekenzinjen in der redhtlidgen Behandlung 
gleichgeftellt (83 1200, 1107). eine Zinjen im Rechtäfinne find ferner die fog. Bauzinjen; 
ogl. HUB. 8 215 Ab. 2 (Vergütungen, die den Aktionären während ber Vorbereitung des 
Unternehmens zuaelichert werden). 
S 246. 
Sit eine Schuld nach Gefeßg oder NRechtsgefchüft zu verzinfen, {fo find vier 
vom Hundert für das Yahr zu entrichten, fofern nicht ein Andere8 beitimmt it. 
3, TI, 217; IT, 210; IIT, 240, 
A. Der Baragraph normiert nur die Höhe der gefegliden Zinjen. Vogl. des 
weiteren über Zinjen (Vergütung für den Genuß eines in Geld oder Zungidbilien beftehenden 
Kapitals): 88 247, 248 (Vertragsfreiheit, Zinsbejchränkungen), S 197, SS 223, 224 (Vers 
jährıumg), SS 288, 289, 522 (Verzuagszinien), $ 301 (Verzug des Gläubigers), S 367 (An- 
cechnung einer, Bahlung auf Hinjen), 85 290, 668, 698, 849 (Binfen al8 Schadenserfab), 
5 452 (Raufpreisberzinfung). Kechtsgefchäftliche Dinlen find im Bweifel Yatenweije post- 
numerando zu bezahlen, je am Ende einer der Heitberioden, auf deren Dauer der Zins- 
jaß berechnet ift. SE | 
Das Merkmal der Verzinslichkfeit wird in der Regel nur bei Geld forderungen 
eintreten; Durch die allgemeine Zaflung des S 246 (Schuld) it A die analoge Un- 
wendung der Beftimmung auf andere vertretbare Sachen (Naturalainien, z.B. Getreide- 
yinfen) nicht ausgefchloffen ©. 1, 15). 
3, Die Verpflichtung, eine Schuld zu verzinjen, verfteht fih nidht von telbit. 
Sie muß entweder durch are oder durch eine hefondere agefeßliche ockbrift 
der durch Urteilsipruch begründet fein: , 
a) Durch RechtSgefhäft: Hier wird in der Regel auch die Höhe des HZins- 
fußeS beftimmt fen: alsdann ift — vorbehaltlich der Vorichrift des $ 247 — 
der vereinbarte Binsfuß maßgebend. Wurde über die Hühe der Binien 
nicht8 vereinbart, io find vier BVrozent zıu entrichten. 
* Ziteratur: Randa, Lehre von den Zinjen 1869; Petrazyecki, Lehre vom Ein- 
‘ommen II, 123; Sabigany VI 88 268 f.; Dernburg II $ 18; Windfdheid:Kipp II 
5 259; Endemann II 122; Ennecceru8 I 88 1566 ff.; Crome II 8 149; KeyBner, 
Hugo, in D. Jur.3. 1909 S. 113: Zur Frage der gefeplichen Binien; Scherer, Martin, 
m „Necht“ 1900 S. 329: Die Zinjen aus früheren RechtSverhältnifien, welhe vor dem 
BGB. zu laufen begonnen haben und unter demjelben ihren Lauf fortjegen; Brogfitter, 
Heinrich, in Ztichr. d. rheinpr. Amt3r.-Ver. 18, Jahrgang 1900 S. 153: Die Höhe der Vers 
‚ug8zinfen bei Geldforderungen, welche unter dent alten Rechte entitanden find; MannhHardt 
n Hanfjeat. Gericht8ztg. 21. Jahrg, 1900 Beibl. Nr. 26 S. 29: Die Höhe der gefeplihen 
Binfen in der Nebergangszeit; Salmann in D. Jur.3. 1900 S. 90; Zur Frage der ge- 
egliden Binjen; Stranz in D. FJur.3. 1901 S, I34: Der Iandesgefeblihe Rinsiuk, ind 
zejondere auch hei der Enteignung.
	        
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