Rolle. Der Sinn eines ganzen Satzes kann uns in einer einzigen
Bewußtseinslage gegeben sein und unsere Handlungen werden oft
weniger durch explizite Überlegungen und andere Erlebnisse als
durch solche Bewußtseinslagen bestimmt. Einzelne Bewußtseins-
lagen wie das Bewußtsein der Spannung und Lösung hatte schon
die Wundtsche Schule gekannt. Man hat sie aber als „Gefühle“
den Lust- und Unlusterlebnissen gleichgestellt, während. ja doch
Lust und Unlust vor allen anderen Erlebnissen dadurch ausge-
zeichnet sind, daß sie zu diesen, also auch zu den Bewußtseins-
lagen, gewissermaßen charaktergebend hinzukommen können. Zu
den Bewußtseinslagen gehört auch die Bekanntheitsqualität, die
gleichfalls lust- oder unlustbetont sein kann. Es begegnet uns oft,
daß wir jemanden sehen, der uns bekannt vorkommt, ohne daß
wir irgend etwas von ihm wissen und daß sich unsere Meinung
von seiner Bekanntheit lediglich in eigentümlichen Bewußtseins-
lagen äußert. Vor vielen Jahren lernte ich auf Reisen einen
Herrn kennen, der mich, ohne ihm irgendwie ähnlich zu sehen,
an den Psychologen Ebbinghaus erinnerte. Unser Zusammensein
löste in mir immer Bewußtseinslagen des Bekanntseins (der Be-
kanntheitsqualität) aus. Erst später erfuhr ich, worauf dieselben
beruhten. Der Herr war nämlich wie Ebbinghaus aus Barmen
und sprach eine ähnliche Mundart wie dieser.
Die Bewußtseinslage der Bekanntheitsqualität kann durch
wiederkehrende genau gleiche Objekte ausgelöst werden, sie wird
aber wie in dem eben erwähnten Beispiel auch durch verschie-
dene Objekte mit gleichen oder ähnlichen Elementen hervor-
gerufen. Wenn nun Reklamemittel einer Firma aus irgend-
welchen Gründen die Sympathie des Publikums gewonnen haben
und wenn dann dieselbe Firma neue Reklamemittel herausbringt,
die den alten partiell ähnlich sind, so wird die Sympathie für die
alten auch den neuen ganz unmittelbar zugute kommen, wenn
sie die Bekanntheitsqualität auslösen. Dies ist ein Grund dafür,
daß bei aller Bedeutung des Neuen die späteren Reklamemittel
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