ji. Titel: Berpflihtung ZUr Kgeiftung. S 254.
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yırtiameren Bedingung it völlig niht8fagend. Bol. die näheren Nachweije bei
Träger a. a. D. Senn AM ein „Berjdhulden“ des Beichädigten felbit Worfaß oder
Sahrfäifigteit) die mitmirkende Urlache für die Entftehung des SchadenZ war, fo {foll der
Richter nach den Unmftänden abwägen, ob eine Verpflichtung zum Erjape überhaupt vor-
liegt und in welchem Umfange Sriaß zu leiften if. Hiebet Joll er inSbejondere berüc-
üchtigen, welcher der Teile den Schaden vorwiegend „verurjacht“ hat, D. 5. welchen
Teile der Hauptanteil an den Bedingungen des Schadens ZU. alt „Tält, °
, Der 8 254 beruht nicht auf Dem Gefichtapunkte der Schul au fredhnung,
fondern it Aocüicllos ein usfuß de8 im BGB. zum mindeften Iatent enthaltenen Prinzips
der adäquaten Berurfachuitg vgl. Rorbenm. II, 3 S. 48 f.. Angedeutet war dies bereits
von mir in Rechtipr. D. NeichsSger. Bo. 2 S. 44, Bon d. Band. 3. BOB. 11 S. 124 ff.
während allerdings in nıeinem GHandkommentar Nr. 1 zu $ 254 Ddiefer Standpunkt noch nicht
far betont worden war. (Ein adäquater Schaden ijt nur derjenige, Der nach dem Me
lichen Lauf der Dinge, der Regel des Lebens auf der Bafis der Umitände zur Zeit Des
Ihäbigenden Ereignijie3 fich hei objektiver (nachträglicher) Yrognote vorausijehen läßt.
Nun aber darf nad Der Regel des Lebens erwartet werden, daß auch der
BeihHädigte jelbit nit Nur nicht pofitiv mitmirft zur Herbeifübhrung
de8 ihn {hädigenden Erfolges, jondern daß er aud alles unterläßt,
mas diefen Gıtal fördern fann, 10 daßer nad Treu und Slauben alle
Vorkehrungen Eifft, die geeignet find, den Schaden no nad Möglich-
feit abzuwenden bzw. dDeften Umfang zu begrenzen. -
„. Diefer dem S 254 implicite zugrunde gelegte Gedanke Kann allein zu einer Jimt-
gemöäßen Auslegung führen; eine gejeblidhe Seitlequng Der Birkmeyerfchen Kaufalitäts-
!eorie, wie Dertnmann 2. Aufl. S. 42 anzunehmen Icheint, fann nicht anerfannt werden;
„Örade des VeruriachenS“ gibt e8 nicht. — € ilt alfo doch das übermiegende
Heridhulden, nicht das „bormiegend Verurfachen“ 3 herückfichtigen. Lenden, Die {og.
Rulpatompenfation im BGB. S. 51. U fritt noch der beachtenSwerte „Umftand,
daß auch Der Begriff des BerfchuldensS in diejem en feinesweg8 derjenige Der
Jonft ME firengeren juriftiichen Terminologie it. Val. Träger a. a. 5. 3929; Bitel-
mann, BGB. S, 166; YKümelin, Yrchiv 1. D. zibilift. Praxis Bd. 90 S. 311 MM. 332 ff.
m {trengeren. Sinne fordert Berfchulden VerleBung einer NechtSpflicht; eS gibt aber feine
YNechtapflicht, fich felbft und eigene Sachen A zu behandeln. Der Begriff des
Berihuldens it im 8 254 die Iayere nioraliiche Be entf OrdnungsS= und Negel-
midrigfeit. Vol. Leyden a. a. OD. S. 65 MM. Da3 fog. eigene Merichulden it hier ein vom
Intereffentandpunkt des Handelnden felbit gemißbilligtes Verhalten. Siehe näher unten
zu 2, c. Vol. ähnlich S 1611, Kitliches Merfchulden.)
m einzelnen ergibt fich, daß die Anwendung des $ 254:
fein Verfehulden auf feiten des zum Erjag Verpflidhteten vor au S-
jet. € macht feinen Unter [chied, ob eine gejeßliche Schadenzerfaßpflicht
oder ein Mertragsverhältnis oder eine beliktifiche Schadenserfaßverpflichtung
in Srage fteht. SG 254 febt nicht voraus, a0 ein beiderjeitiges Ber
fchulden vorliegt, er fommt_audh zur Anwendung, menn gegenüber einem
ohne Berfhulden von einem Dritten zu vertretenden Schaden ein Merfchuklden
des Beichädigten bei der Entitebhung des Schadens8 nıitgewirkt hat.) ,
Daher findet S 254 u. 0. Anwendung auch gegenüber Der Haftpflicht
des TierhalterS aus & 833, Des EM aus $ 835.
Mol. KOES. vom 30. April 1900 bei Oxuchot, Deitr. Bd. 47 S, 924, vom 5, De
6ruar 1903 D. SIur.3. 1903 S. 177; vom 12, März 1903 bei GOruchot, Beitr.
®. 47, S. 907; vom 2. November 1903 in Seuffert8 Arch. Bd. 79 dir. 128
3. 225; ROS. Bd. 56 Nr. 38 S. 154 ff.; NOS. in Baye. 3. f. R. in 1905
S 450, 468 f.; Iur. Wichr. 190 S. 328 Büff. 7; Sur. Wichr. 1906 S. 367
Ziff. 4; Mecht 1905 S. 469 Ziff. 1831 Gu 8 835); NOS. Bd. 67 S. 120;
Sr, Wichr. 1908 S, 40; Recht 1908 dir. 2004; echt 1908 Ziff, 1194,
1195; Sur. Wichr. 1908 S. 235 Bil 7. .
S 254 findet auch auf das Verhältnis zn dem nach SS 844
oder 845 BGS. Erjaßberechtigten und Dem Schadenserfaßbpflichtigen bin-
fichtlich eines mitwirfenden Verichuldens des eriteren SE unjoweit
auch diejer Erfabberechtigte als „Beichädigter” anzujehen und die Anwendung
des 8 24 nicht pofitiv gejetlich ausgefchloffen ijt. BGE, vom 18. Mai 1908
Sur. Wichr. Beil. S. 86, NOS, BD. 55 ©. 24, 47.
Auch die Univendbarteit Des S 254 auf 88 1, 2 des a
gefehe8 it nach herrichender Anfchauung unbejtritten. Val. Weber, Das
Merfchulden bei Sitenbahnunfällen in Eggers Eijenbahurechtlicher Entich.
uw. Bd. 19 S. 78 ff; Meinrich Ddatelbit S. 369—370, Bienenfeld,