fullscreen: Die Reichseisenbahnen

die Hauptwerkstätten einer besonderen Organisation. Sie unterstehen zur 
Zeit in Preußen in der Regel mehreren gleichgeordneten „Werkstätten 
ämtern" und entbehren der einheitlichen Spitze, die sie als Fabrikbetrieb 
brauchen. Künftig wäre jede Hauptwerkstätte einer einheitlichen Leitung 
(Direktor) zu unterstellen. Die Hauptwerkstätten eines Generaldirektions 
bezirks wären der Generaldirektion unmittelbar unterzuordnen, um eine 
planmäßige und der jeweiligen Betriebslage sich anpassende Verteilung 
der Reparaturfahrzeuge zu erreichen. Auch den Hauptwerkstätten wäre 
eine weitgehende eigene Selbständigkeit, namentlich auf dem Gebiete des 
Versuchswesens, einzuräumen. Erwägenswert wäre eine Verteilung der 
Lokomotiven zur Unterhaltung nach den wichtigsten Typen auf die ein 
zelnen Hauptwerkstätten. Das wird wenigstens in den verkehrsreichen 
Bezirken, z. B. im rheinisch-westfälischen Bezirk, anzustreben sein. Die 
Vorteile eines solchen Verfahrens haben die Erfahrungen im besetzten 
Gebiet ergeben. Die Durchführung einer solchen Maßnahme würde nur 
allmählich erfolgen, sie ist nur möglich bei der Zusammenfassung weiterer 
Gebiete, wie sie hier durch die Generaldirektionen vorgesehen ist. 
Für die Beschaffung der Fahrzeuge wird von der Zen 
tralstelle ein Beschaffungsplan herausgegeben, der die Beschaffung be 
stimmter Mengen den einzelnen Generaldirektionen unter Bezeichnung 
der Lieferwerke zuweist. Nach diesem Plan haben die Generaldirektionen 
die Herstellung zu überwachen und die Fahrzeuge abzunehmen. 
Für die eisernen Oberbaustoffe und für die Holzschwellen werden be 
stimmte Beschaffungsdirektionen zu bezeichnen sein. 
Im übrigen ist eine zu weit gehende Zentralisation 
aus volkswirtschaftlichen Gründen zu vermeiden, 
da sie stets zur Ausschaltung kleinerer Unternehmer führt. Die örtlichen 
Gewerbe haben einen Anspruch auf unmittelbaren Verkehr mit den ört 
lichen Behörden. 
Sehr wichtig ist, daß der technische Fortschritt nicht 
durch übermäßige Zentralisation gehemmt wird. 
In dieser Beziehung könnte der Wegfall der Einzelverwaltungen Be 
denken erregen (vergleiche den Aufsatz des Prof. Cauer in der Zeitung 
des Vereins deutscher Eisenbahnverwaltungen Nr. 14, 1919). Man wird 
daher für den Wegfall dieser Stellen, die bisher selbständig Neuerungen 
erproben und einführen konnten, Ersatz schaffen müssen. Das wäre 
möglich dadurch, daß den einzelnen Generaldirektionen, bei denen tech 
nische Ausschüsse bestehen, erheblichere Mittel überwiesen werden, die 
praktische Versuche ermöglichen. Auch auf andere Mittel wäre Bedacht 
zu nehmen, um Erfindungen zu ermuntern: Prämien, Gewinnanteile und 
dergleichen. 
Die technische Fortbildung der Konstruktion wird ähnlich wie bisher 
durch Ausschüsse erfolgen können, indessen werden diese Ausschüsse
	        
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