1. Titel: Verpfligtung zur Leiftung. Vorbemerkungen zu den SS 261—265, 89
enthielt eine Vorfhrift auch für den Zall, daß die Wahl einem Dritten zujteht.
Das Schuldverhältniz jollte in diefem Falle im Zweifel al8 ein durd) die Wahl
de8 Dritten bedingteS angefehen werden und die Wahl als vollzogen gelten,
wenn {ie dem Gläubiger oder dem Schuldner gegenüber erflärt jei. Bon der
zweiten ®ommifjfion wurde diefe Borfehrift mit Rückficht auf die 8$ 317—319
al8 entbehrlig gefirihen. Diefe Auffafflung der Kommijfion fann jedoch nicht
für die Anwendbarfeit der SS 317 ff. maßgebend fein.
2, Die Wahlobligation teilt das Moment der Unbeftimmtheit mit der Gattungsihuld,
Val. darüber und insbejondere über die [HYmierige Unterfheidung von der fog. begrenzten
Sattungsiguld oben Bem. 4 zu 8 243, Crome II S. 46 Anm, 7, 90, 91, Dernburg IL, a & 11
S. 27, Harn, SGattungsihuld $ 6 S. 21, Berndorf, Gattungsihuld S. 13 ff. 19, RGE. Bd. 28
S. 221, Yur. Wir. 1901 S. 209, 1904 S. 200 (8), RGE. Bd. 57 S. 141.
3, Die Wahljchuld im Sinne der 88 262—264 ijt unbejtimmt in Anfehnng des
Segenftandes der Leijtung, objektive Wahlobligation. Dadurch unterjhetdet jie fig als
objektive Wahlobligation von der übrigen? begriffligg ähnliden von mir fo genannten
Inbjettiven Wahlobligation, hei der Unbeftimmtheit waltet in Anfehung entweder des berech-
tigten ober de8 verpflidteten Subjelt8, vgl. Bem. 2 zu 8 421 (Scohuldverihreibung auf Inhaber,
Korreal- oder fubjeltivsalternatives Schuldverhältni8).
Dagegen fjeßt eine Wahlihuld im Sinne der folgenden Paragraphen nicht unbedingt
voraus, daß eine Sache oder Handlung, welche den Gegenftand der Leiftung bildet, disjunktiv
neben einer anderen Sache oder Leiftung in Frage komme 3. B. Alternative zwifdhen zwei
oder mehreren Spezialjadhen (Mappen oder Schimmel). E38 genügt auch, daß eine bloße
Modalität der Leiftung, 3. B. ihr räumlicher oder zeitliHer Koeffizient (Leiftung nad Wahl
in Hamburg oder Berlin, am 15. Mai oder 15. Juni) zur Wahl gelaffen ift. Bal. RGE. in
Sur. Wir. 1904 S, 200,
4, Eine Wahlobligation ift nit vorhanden, wenn au einem einheitlihen Schuld-
berhältni8 im weiteren Sinne (Haftungsgrund, val. VBorbem, I, 1 S. 4) mehrere alternativ
[disjunktiv) fonkurrierende, elektive Anfprüche entipringen. Vgl. $S 179 (falsus procurator),
325 (Nichterfüllung bei gegenfeitigen Verträgen), 402 (Wandelung oder Minderung), 8 251
bj. 1 (Maturalreftitution oder SchadenZerfaß). Der Schuldner Hat in diefen Fällen, foweit
nicht etwa ausdrücklich etwas ähnlicheS beftimmt ift, keine&weg3 das Recht, au3 S 264 Abi. 2
dem Gläubiger eine Frift zur Ausübung des fjog. Wahlrecht? zu jeben. Bagl. auch Kuhlenbeck,
Bon d. Band. z. BOB. II S. 28 Anm, 2. A. M, wenigftenS in Anfehung des 8 462 (Wahl:
iuld mit Gläubigermahlrecht) Langheinedden S. 200, 245, Sitten S. 117 ff, Pesfatore S, 156.
5. Endlich it nach hHerrigender Lehre die Wahljhuld zu unterfcheiden von der fog.
alternativen Ermächtigung vder fFacultas alternativa, Die gemeinrechtlidde Theorie kenn:
zeichnete den Gegenjaß zwijdhen diefer und der Wahljhuld durch die Formel; WahHlihuld =
duae res in obligatione, una in solutione; facultas = una res in obligatione, duae
In solutione.
Ganz abgefehen davon, daß jowohHl bei einer Wahlihuld al auch hei der {vg. alter:
Aativen Ermächtigung auch mehr al8 zwei Gegenftände in Frage fommen Innen, ift diefe
Hormel deshalb wertlo3, weil feineSwegs feftfteht, mwa8 unter dem in obligatione esse zu
berftehen ift.*) VBerfteht man darunter Schuld = Haftung, jo erfheint e& mir unmöglich, zu
denken, daß bet einer Wahlidhuld die mehreren Gegenftände {Hon in dem Sinne geduldet
*) Nah BeZkatvore S. 50 fol bei alternativer Beftinumnung daS in obligatione esse
weientlid nur in folgenden Beziehungen hedeutfam fein :
„1. Seiftung eineS in obligatione befindlichen Objett3 tilgt das Schuldverhältnis und
3WWar ipso jure; denn der Schuldner Hat getan, waS er verfprochen Hat bzw. nad) dem Wilken
de3 Erblafier8 tun jolte. (1 44 8 3 D. 44, 7, 1. 27 86 D.2, 14, 1.78 1 D. 34, 8.)
5 2. Leiftungen, weile in obligationem deduziert werden follen, müffen im Augenblide
03 Gejhäftsabihlufie8 möglich fein. (I. 128 D.45, 1; 1. 72 8 4 D. 46, 3: 1. 15 D. 45, 2;
A-1181 D. de leg. IL, 31).
3. Bezitalich der Leiitungen, welche in obligatione find, fönnen Ge{häfte abgeichloffen