18. Titel: Bürgihaft, 88 774, 775. 1427
YHebernahme der Bürgichaft die Rechte eines Beauftragten gegen den Hauptihuldner
‚u, {o fann er von diejem Befreiung von der Bürgfjchaft verlangen:
1. wenn fih die Vermögensverhältniffe des Hauptichuldrers wejentlich ver-
iOhlechtert Haben;
wenn die Rechtsverfolgung gegen den Hauptjehuldnrer in Folge einer nach
der Nebernahme der Bürgjchaft eingetretenen Nenderung des WohHnfiges,
der gewerblichen Niederlaffung oder des Aufenthaltsorts des Hauptjhulduers
mefjentlich erjchwert ift;
wenn der Hauptjchuldner mit der Erfüllung feiner Verbindlichkeit im
Verzug ft;
wenn der Gläubiger gegen den Bürgen ein vollftrecbares Urtheil auf
Erfüllung erwirft Hat,
Sit die Hauptverbindlichkeit noch nicht fällig, fo kann der Hauptichuldner
dem Bürgen, ftatt iHn zu befreien, Sicherheit leilten,
£, 1, 6773; HM, 714; III, 759,
. „8 775 gewährt dem Bürgen, deffen ItechtSlage fich Teit Eingehung der Bürg-
ihaft ohne fein Zutun infolge befonderer Umftände (f. unten Bem. 2) ungünftiger geftaltet
dat Anfprucg auf Befreiung von der Bürgicdhaft gegenüber dem Hauptichuldner (eine
Art „antizipierten Negrefle8“, |, Crome S. 886). Da aber durch den Bürgfchaftsvertrag
an fi rechtliche Beziehungen zwilcdhen dem Bürgen und dem Hauptfchuldner nicht ent
Iteben (Bem, 2 zu S 765), Inlipft das Gefeß diefen Anfyruch des Bürgen an die Vorau8-
jeßung, daß er entweder im Nuftrage des Hauptfchuldrers {ih verbürgt hat
SS 662 {f.), ohne daß ihm al8 Gefchäftsführer obne Auftrag nad Maßgabe der
55 679, 683, 654 die Nechte eines Beauftragten gegen den Haupifchuldner zuftehen (Me. 11,
576 ff, 3. 11, 368; val. Dernburg, Band. Bd. 2 8 80, II, 1, b, Windfheid-Ripp, Band.
U U 1104, PLR. ZA. I Tit. 14 88 356 ff, BLR. IL IV cap. 10 8 17, M. I, 677
Note 1).
a) Dem eigentlichen (unentgeltlidhen) Auftrage wird binfichtlich der Anmendbar-
feit des 8 775 ein Dienft=-oder Werkvertrag, dereine GefdhHäfts=
vdeforgung zum Gegenftande Hat (S 675), gleidhzuftellen fein (fo mit
echt Sijdher-Genle Note 2, Pland Bem. 2, ®oldmann-Lilienthal S. 822
Ann. 7, Staub, Komm. 3. HOB. Anm. 36 zu 8 349; and. Anf. Düringer-
Hachenburg, SGB. 1. Aufl. Bd. 2 S. 290, Koth a. a. OD. S. 68).
Die Befreiung des Bürgen kann der Hauptfchuldner entweder dadurch
yerbeiführen, daß er jeine eigene Berbindlichteit tilgt (wodurch auch
5ie Bürgichaftsfchuld erlifcht) oder daß er den ®läubiger veranlaßt, unent-
zeltlich oder gegen Entgelt, eventuell gegen Befchaffung auderweitiger Sicher=
heit, den Bürgen au8 der Haftung zu entlajfen (vgl. Crome S. 886).
BELLE diefer Wege der Hauptichuldner wählen will, ft feinem Ermefjen
iberlaffen.
Die Bollftiredung des auf Befreiung Iautenden Urteil® erfolgt nach
taßgabe des $ 887 ZRO. (vgl. ROGE. Bd. 18 S. 435 ff.) .
Der AnfpruG auf Befreiung Mt beim Vorliegen der im $ 775 erwähnten
Borausfebungen auch dem Bürgen zu, der auf die Cinrede der VBoraus=
flage verzichtet hat (DM. IN, 677; vol. ROES. Bd. 8 S. 262 ff.); dagegen
jan der Bürge Befreiung infoweit nicht verlangen, al8 ihm gegen den Haupt-
OHuldıuer kein Rücgriffsrecht zufteht. ,
Der Verpflichtung, den Bürgen zu befreien, Kann {ih nad) $ 775 AWbf. 2
der Hauptichuldner, wenn die Hauptverbindlidgkeit nod nicht
jällig ilt (alfo nur in den Fällen des 8 775 Abo]. 1 Nr. 1. und 2) dadurch
entledigen, daß er dem Bürgen Sicherheit leiltet und zwar auch dann,
venn er {chon rechtSfräftig zur Befreiung verurteilt ift (SS 232 ff.; PB. I,
479 ff.; vgl. $ 257 Sa 2). Die Sicherheit ift dafür zu eiften, daß bei
Hälligfeit der Hauptverbindlichkeit die Befreiung des Bürgen bewirkt werde,
nicht für die Erfabanfprüche, die fih für den Bürgen aus der Erfüllung
der Bürgfchaftsverpflichtung ergeben (R. IN, 480). Die Anficht von Kremer
Die Mitbürgichaft S, 120 Ed daß der Bürge, der vor Fälligkeit der Haupt
verbindlichfeit Sicherheitsleittung erlangt bat, nicht berechtigt fei, nach Ein=
af
nn
7