6. Titel: Dienftvertrag. Vorbemerkung. 993
3) €3 bleiben deshalb in leßterem außer Betracht alle GefjegeSvorihriften auZ
dem Gebiete des Beamtenrecht3, natürlig unbejdhadet jener allgemeinen
Srundjäße, weldhe den Beamten namentlich für gewifjfe RedHtSanfprügHe
Bivilklagen gewähren (vgl. hHiezır au ROE, Bd. 18 S. 173, Bd. 28 S. 80,
Bd. 37 S. 161, 225, 243, Bd. 38 S. 320, Bd. 45 S. 242; Jur. Wihr. 1900
S. 806 und über Anfechtung der Anjtelung megen WillenZzmangel8 des An-
jtellenden Seuff. Arch. Bd. 56 Nr. 217, {owie Ripr. d. OLG. Bd. 2 S, 246,
jerner @önner, „Der Staatsdienjt auZ dem SGefidhtzZpunkte des Rechtes und der
Nationalökonomie“ [1908], Laband, StaatZrecht Bd. I S. 410 {f., KuHlenbenk in
Sur. Wichr. 1904 S. 594, 595, Piloty, Unzuläjfigkeit des RechtSwegs, DL f
RAU. Bd. 72 S. 803).
Soweit jedoch die für beide Teile ent{pringenden Redte und Pflichten
dur die befonderen daß BeamtenverhHältni® beherrihenden Vorjehriften des
öffentliden RechteS nicht geregelt find, können im Wege der Analogie die
ent{prehenden NMormen de8 bürgerlih-rechtlidgen DienftvertragS zur Anwendung
gelangen, vgl. GE. Bd. 18 S. 173 ff. und RGE. in Gruchot, Beitr. Bd. 48 S. 346 ff.,
aud) Art. 14 und 32 ESG. mit Bem., Ripr. d. OLG, (Köln) Bd. 12 S. 72, Jur.
Wicdhr. 1906 S, 551, RGE. Bd. 63 S. 430, Recht 1906 S. 49, f. ferner Bem. II, b
zu 8 618, Oilje, Arch. f. Öffentl. NR. Bd. 19 S. 186, Brückner, Necht 1908
S, 466 ff. (Inwieweit unterliegen die Dienftverhältniffe der Öffentliden Beamten 2C.
den Vorfhriften des BGB. ?) fowie Reindl, Komm. z. Bayer. Beamtengejeg S. 9 ff.
b) Mebrigen8 gibt e8 au Dienftverhältnifje, die fid) dem Publikum gegenüber
bilden, und in diejfer Beziehung privatrechtliger Natur find, daher auch infoweit
den Beftimmungen des BGB. anheimjallen, Immerhin aber von Sffentlich-
rechtlichen Normen mitbeherricht find. Man denke Gier beifpielSweije nır an
die verichtedenen Einrightungen für Dienfte im Bereiche des Sffentliden Ber:
tehr8. Die in diefer Hinficht recht3gültig Leftehenden Sffentlidh-redtliden
Normen für Dienftleijtende bleiben natürliGH neben dem BGB. in voller
Wirkjamkeit, mie z. B. Drofchken- und Fiakerordnungen, Packträger- und Dienft-
mann, Holzmejfers und Kaminkehrerordnungen und dal. mehr, und zwar mit-
jamt den Strafbeftimmungen, welde etwa für Zuwiderhandlungen dagegen be-
jtehen. €8 bleiben Hier auch jene Borfchriften wirkjam, weldje auf Sffentlidh-
rechtliger Grundlage fjogar einen Zwang-szur Dienftleiftung be-
gründen, mährend in privatrechtliger Hinfiht ein folder Zwang weder dem
BGB. bekannt ft, noch, wenn er nad Landesgejegen heftehen follte, jeßt mehr
haltbar wäre. In Streitfällen märe. daher immer zu unterfuchen und feftzıt-
ftellen, auf welcher Kategorie don RMechtZnormen eine ZwangSvorfehrift beruht.
(Val. Staudinger, Vorträge auZ dem Gebiete des BGB. für Berwaltungsheamte
S. 493 und 494.)
Hieher gehören audz foldje Vorfjhriften, weldhe zwar nicht einen direkten
Bwang zu beftimmten Dienftleijftungen begründen, wohl aber deren Ablehnung
:infOÖränken oder an BGeftimmte Formen binden. (Vgl. BGB. 8 663. SGB.
8 362 Abi. 1, fowie 8 30 der Rehtsanwaltsorbnung.) .
8) Spezialgefeßlidhe Borfhriften der vorgedachten verjchiedenen Arten gehen
in ihrer Geltung und ihren Wirkungen {Hon nad allgemeinen RechtSregeln
den generellen Vorfdhriften des BOB. vor (j. aud) in Anfjehung der Lefonderen
ReichZgejeße Art. 32 ESG, z. BOB.). Soweit aber VBorfchriften nit beftehen
oder nicht einjGlägig find, find die Beftimmungen des BOB. SS 611 ff. Jubfidiär
anwendbar. Im Art. 95 EG. {ft dies für das Gefinderedht jogar in einzelnen
Runkten bejonderS vorgefchrieben. Im Zweifel Lemißt fih jene Jupplementäre
Anwendbarkeit nad dem Inhalt und Charakter de3 betreffenden Spezialgejeges.
(Vol. land Bd. II S. 347.)
Staudinger, BOB. Mb (Sculdberhältnifie. Kober: Dienitvertrag). 5./6, Aufl.