Kap. VI. Der Kapitalzins.
Es ist aber ferner eine übrigens mit ihrer Auffassung des Kapitals
Kullab acht Einseitigkeit dieser Theorie, die Bedeutung des
Kapitals ausschließlich darin zu sehen, daß es uns eine Produktion, die
eit erfordert, ermöglicht. Die allmähliche Abnutzung eines dauerhaften
utes beansprucht auch Zeit, und die weitaus größere Menge der Kapital-
disposition wird, wie wir sehen werden ($ 24), für das Warten auf die
sukzessiven Dienste der dauerhaften Güter gebraucht. Diese ihrer Natur
nach wesentlich verschiedenen Quellen des Bedarfs an Kapitaldisposi-
Se soll man nicht durch künstliche Konstruktionen in eine einzige
orm hineinzuzwingen versuchen. _Schließlich ist es ein Mangel der
evonsschen Zinstheorie, daß sie die Bedeutung eines letzten verfüg-
aren Stücks Kapitaldisposition ausschließlich in einer Verlängerung der
’roduktionsperiode sehen kann. Im Begriff der Kapitaldisposition liegt
doch, daß Kapital und Zeit eine symmetrische Stellung einnehmen: Sn
gewisse Menge Kapitaldisposition, die einem Produktionsprozeß zu-
eführt wird, kann also nicht nur zur Verlängerung des Produktions-
rozesses, sondern auch ohne Veränderung der Produktionsperiode zur
rweiterung des Produktionsprozesses verwendet werden. Die Verlänge-
ung des Produktionsprozesses im Jevonsschen Sinne bedeutet in der
at eine Substitution. von Kapitaldisposition für Arbeit oder allgemein
ür andere Produktionsfaktoren. Da Jevons den Zins durch die Grenz-
produktivität der Verlängerung der Produktionsperiode bestimmen will,
bedeutet dies also, daß er die Preisbildung der Kapitaldisposition aus-
schließlich auf das Substitutionsprinzip zurückführt, das Prinzip der
Knappheit aber vollständig aus dem Gesichte verliert. Dieses letzte
rinzip ist aber, wie wir wissen, immer das grundlegende Prinzip der
Preisbildung, gegenüber welchem die supplementären Prinzipien nur
als Modifikationen zu betrachten sind. Diese Auffassung der Preisbildung
muß auch in bezug auf die Kapitaldisposition durchgeführt werden:
der Zins muß als der Preis der Kapitaldisposition in erster Linie durch
die Knappheit dieses Produktionsfaktors bestimmt sein. Diese grund-
legende Erklärung darf nicht von dem Umstand, daß die Knappheit
er Kapitaldisposition durch die Möglichkeit einer Substitution anderer
Produktionsfaktoren für dieselbe modifiziert werden kann, verdunkelt
werden. Der Zins muß doch als der Preis der Kapitaldisposition auf
Grund der Knappheit derselben bestimmt sein, auch wenn jede solche
Substitution ausgeschlossen ist. In einer konservativen Landwirtschaft,
ie sich in unveränderten Bahnen bewegte, würde z. B. eine Vermehrung
des Kapitals keine Veränderung der Produktionsperiode hervorrufen,
wohl aber, wenn sich Gelegenheit dazu darböte, eine Ausdehnung der
Bebauungsfläche. Der Zins würde unter solchen Voraussetzungen
om Ertrag der Verwendung von Kapitaldisposition auf dem neuen
Boden abhängen, würde also nicht von der Produktivität einer. Ver-
längerung der Produktionsperiode bestimmt sein können, sondern
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