Metadata : Die Eisenindustrie in Südrußland

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ihn  zu  verbessern,  wurde  auch  dieses  Werk  still  gelegt 1 .  Nachdem
im  Jahre  1866  ein  Zaren-Ukas  den  Weiterbau  der  staatlichen
Eisenindustrie  in  Südrußland  befohlen  hatte,  wurde  noch  ein  Versuch ­
  gemacht  und  1870  nicht  weit  von  Lissitschansk  ein  Werk  erbaut. ­
  Da  aber  hier  kein  Eisenerz  und  nur  schlechtbackende  Kohle
vorhanden  war,  konnte  die  Sache  nicht  vorwärts  gehen 1  2 .  Damit
endete  die  lange  Reihe  der  staatlichen  Mißerfolge,  in  Südrußland
eine  Eisenindustrie  zu  gründen.  Als  die  Hauptursachen  dieser  etwa
70  Jahre  dauernden  Mißerfolge  können  wir  zwei  nennen.  Das  sind
erstens  die  technische  Schwierigkeit,  die  man  im  damaligen  Südrußland ­
  zu  überwinden  hatte,  und  zweitens  die  ungeschickte  staatliche
Gründungstätigkeit  und  die  schlechte  Leitung  der  erbauten  Werke.
Obwohl  die  Steinkohle  in  Südrußland  von  vorzüglicher  Qualität
war,  so  spielte  hier  der  Mangel  au  guten  Eisenerzen  immer  die
ausschlaggebende  Rolle.  Die  reichen  und  reinen  Eisenerze  in  Krivoj-Rog
  waren  noch  nicht  entdeckt,  die  gefundenen  dagegen  minderwertig ­
  und  boten  wegen  ihres  großen  Phosphorgehaltes  für  die  damalige ­
  Verhüttungstechnik  zu  viel  Schwierigkeiten.  Außerdem  waren
die  im  Donezbassin  vorhandenen  Ablagerungen  zu  mangelhaft,  um
allein  zu  genügen.  Dazu  kam  noch  der  schlechte  Zustand  der
Wege.  Die  Eisenbahnlinien  erschienen  hier  erst  am  Ende  der
60er  Jahre.  „Der  ärgste  Feind  jeder,  auch  der  besten  Unternehmung ­
  ist  in  unserer  Gegend“,  sagt  Felkner  in  seinem  Buche,
„der  Gütertransport 3 .“
Als  zweite  Ursache  der  Mißerfolge  spielte  danu,  wie  erwähnt,
die  schlechte  und  ungeschickte  staatliche  Gründung  der  Eisenwerke
mit.  Die  Bureaukratie,  welche  schon  im  Uralgebirge  völlig  versagt
hatte,  war  selbstverständlich  nicht  fähig,  neue  Wege  im  fast  unbekannten ­
  „Neu-Rußland“  zu  bahnen.  Die  Geschichte  der  bureaukratischen
  Griinduug  in  Südrußland  zeigt  Tausende  von  Beispielen
der  Nachlässigkeit  und  Ungeschicklichkeit.  Die  Werke  waren
schlecht  gebaut,  die  Gegenden  nicht  genügend  untersucht,  und  es
gab  nur  Leibeigenenkräfte  und  Zwangsarbeit.
Privatgründungen  dagegen  waren  damals  völlig  ausgeschlossen.
Man  mußte  zuerst  alle  hier  existierenden  lokalen  bergrechtlichen  Bestimmungen ­
  abschaffen.  Nach  diesen  Bestimmungen  waren  alle
unterirdischen  Schätze  im  Donischen  Kosakengebiet  das  Gesamteigentum ­
  des  Kosakeustandes.  Im  Falle  der  Entdeckung  mußten
die  früheren  Besitzer  des  Grundstückes  es  verlassen  und  bekamen ­
  ein  anderes  ebenso  großes,  während  das  Grundstück
mit  Mineralien  in  den  Besitz  der  Kosakenverwaltung  überging.
Selbstverständlich  hielten  es  die  Bewohner  für  ein  großes  Unglück,

1  Ragosin,  a.  a.  O.,  S.  6.
2  Brandt,  a.  a.  O.,  S.  45.
3  Belkner,  a.  a.  0.,  S.  78.
            
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