Full text : Verkehrsgeographie der Eisenbahnen des europäischen Rußland

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vorschlägt').  Freilich  das  Ziel,  die  Polarmeere  mit  den  sibirischen
Strömen  zu  verbinden,  ist  auch  nicht  mehr  neu:  entstand  doch  schon
1888  der  Plan  einer  400  W  langen  Verbindung  von  Obdorsk  am  Ob
zum  Karischen  Meer  und  ein  ähnlicher  im  Jahre  1907,  nur  daß  als  sibirir
scher  Ausgangspunkt  die  Mündung  des  Sob  in  den  Ob  bei  Sobskaja
oberhalb  Obdorsk  dligenommen  wurde.  Gleichzeitig  interessierte  sich
auch  Archangelsk  damals  für  eine  Linie  zum  Ob *  2 ).
Es  ist  Verständlich,  daß  gerade  im  Norden  die  Bahnprojekte  jnit
Kriegsausbruch  eine  neue  faßbare  Gestalt.annahmen.  Sowohl  die  Ausschaltung ­
  der  Ostsee,  deren  militärisch-  wie  im  Frieden  kulturell-germanische ­
  Einflußsphäre  der^Krieg  Rußlands  mit  Deutschland  öffenlegte,
als  auch  clie  des  Schwarzen  Meeres,  dessen  Ausgänge  in  fester  türkischer
Hand  sind,  bedingten,  daß  .Rußland*  von  dem  fernen  Wladiwostok -
abgesehen,  einzig  und  allein  auf  den  Eismeerhafen  Archangelsk  ange-,
wiesen  war.  Rußlands  Seegeltung  war  somit  infolge^des  WelUingens  fast
auf  den  Macht^andpmnkt'  zurückgedrängt  worden,  den  das  Zarenreich
vor  der  Zeit  Peters  des  Großen  einnahm.  Die  eingeleisige  Schmalspurbahn ­
  Wologda—Archangelsk  zeigte - *:,  sich  den  unvorhergesehenen  Anforderungen ­
  gar  nicht  gewachsen.  Hüpfer  nicht  sehr  festen  Anlage  wegen,
noch  mehr  aber  wohl  wegen  des  völlig  unzureichenden  rollenden  Materials ­
  —  waren  doch  auf  der  ganzen  Nordbahnlinie  Jaroslawl—Archangelsk
nicht  lange  vor  dem  Kriege  nur  18  Personenwagen  und  387  Güterwagen
eingestellt  nebst  kaum  50  Lokomotiven 3 )  —,  das  zwar  sicherlich  nach
Kräften  ergänzt  wurde,  aber  doch  nicht  die  schwierige  Aufgabe  zu  lösen
vermochte,  konnte  sich  die  Abfuhr  der  im  Hafen  aufgespeicherten  Munitions-
  und  Warenbestände  zum  Kriegsschauplatz  nur  sehr  behindert
und  langsam  vollziehen.  Kaum  14  Tage  nach  der  vollen  Eröffnung
der  Schiffahrt  auf  dem  Eismeer  (Ende  Mai  1915)  war  die  Bahn  durch
die  Waffen-  und  Munitionssendungen  englischer  und  amerikanischer
Herkunft  so  stark  beansprucht,  daß  sie  für  die  private  Güterbeförderung
gesperrt  werden  mußte.  So  mußte  man  zum  Umbau  der  Strecke  schreiten.
Während  die  Umarbeitung  der  südlichen  Teilstrecke  Wologda—Njandoma
noch  1914  beschlossen  wurde,  bewilligte  der  Ministerrat  im  Juli  19.15
auch  die  Mittel  für  den  Umbau  des  nördlichen  Teils  Njandoma—Archangelsk. ­
  Das  Zufrieren  der  Dwina  während  etwa  9  Monate  im  Jahre
forderte  gebieterisch,  daß  man  sogar  den  Bau  der  Bahn  von  Kotlas

x )  Nach  der  „Nowoje  Wremja“  soll  tatsächlich  die  Regierung  im  März  1915
den  Bau  einer  Linie  vom  „Zentralgebiet  des  Ural  zum  Eismeer“  beschlossen  haben.
Einzelheiten  fehlen  noch  völlig.
2 )  Mertens,  Der  Ausbau  des  Eisenbahnnetzes  im  Norden  des  europäischen
Rußlands,  AEW  32  (1909)  S.  188.
3 )  Hier  ist  also  die  Reichsspurstrecke  Jaroslawl—Wologda  einbegriffen.  Man
berücksichtige  die  Schwierigkeiten,  rollendes  Material  von  den  Reichsspurstrecken
auf  die  Schmalspuratreeke  zu  fördern.
            
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