thumbs : Die Social-Demokratie

182  VU.  Die  Religion  und  die  Soc.-Demokratie.
„digen  Tendenz,  die  unsere  Gegenwart  beherrscht,  verleugnen,
„vermitteln  und  vertuschen.  Das  Christenthum  sordert
„Entsagung,  während  heute  rüstige  Arbeit  zur  Befrie-„digung
  unserer  materiellen  Bedürfnisse  gefordert  ist.  Gott-„vertrauen
  ist  die  vornehinlichste  Qualität  eines  Christen,
„Selbstvertrauen,  das  gerade  Gegentheil,  zu  einer  erfolg-„
  reichen  Arbeit  llöthig.  Wer  sich  untersteht  dem  Christen  -
„thum  die  Lehre  in  den  Mund  zu  legen:  „Du  sollst  auf
„Gott  vertrauen,  aber  deine  Talente  nicht  vergraben",  und
„damit  sagen  will,  daß  die  Arbeit  kein  nnchristlich  Ding,
„sondern  in  der  christlichen  Lehre  enthalten  sei,  der  ist  ein
„abgeschmackter  Sophist.  Die  christliche  ist  von  der  eigent-„lichen,
  von  der  helltigen  Arbeit  meilenweit  verschieden.  Der
„Christ  arbeitet  für  den  Himmel,  um  den  Leib  zu  kasteien,
„die  Lüste  zu  unterdrücken.  Und  wenn  er  für  Brod  und
„Lebensunterhalt  arbeitet,  so  darf  es  nur  ein  Lebensunterhalt
„seiu,  der  die  Qualen  dieses  irdischen  Januncrthals  ver-„längert,
  ui«  dadurch  des  wahren  ewigen  Lebens  würdig  zu
„werden.  Wer  sein  Leben  auf  dieser  Welt  hasset,  der  wird
„es  erhalten  zum  ewigen  Leben  (Johannes  12,  25).  Ber-„himmelte
  Ewigkeit  ist  der  Zweck  des  Christen,  die  alltäg-„lichc
  Welt  der  Zweck  des  verständigen  Menschen."
Wir  haben  mit  diesem  Auszug  eine  Probe  einer  „Kanzelrede" ­
  gegeben,  wie  sie  der  „Bolksstaat"  von  Zeit  zu  Zeit
durch  seinen  Parteigenossen  I.  Dietzgen  seinen  Lesern  halten
laßt.  Neben  dem  verranntesten  Fanatismus,  der  sich  in
eine  Masse  vvn  Borurtheilen  festgebohrt  hat,  die  er  um  keinen ­
  Preis  sich  durch  die  schlagendsten  Gegengründe  aufklären
läßt,  komnit  bei  einer  solchen  Zeichnung  die  unlautere  Absicht
zum  Vorschein,  durch  eine  häßliche  Karrikatur  das  Original
verächtlich  zu  machen.  Man  entsinne  sich  nur  des  schon  mitgetheilten ­
  Geständnisses,  das  derselbe  I.  Dietzgen  in  derselben
            
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