Anhang. Zur Philosophie der Statistik.
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andern das Volk sich alljährlich verständigte, dieselbe Anzahl Heirathen
abzuschliessen, und dieselben in gleichheitlicher Weise unter die einzelnen
Provinzen, unter Stadt und Land, unter Junggesellen , Mädchen,
Wittwer und Wittwen zu vertheilen. Nach Spuren eines menschlichen
Willens könnte man nur etwa in dieser sich gleich bleibenden Vertheilung
suchen; sicherlich hat Niemand daran gedacht, dieselbe illkürlich
hervorzurufen. — Noch mehr. Es könnte scheinen, als ob eigene
gesetzliche Bestimmungen beständen, welche für die verschiedenen
Altersclassen je nur eine bestimmte Anzahl von Ehebündnissen bewilligten"
(oder vielmehr; solche geböten und wie eine Steuer forderten) ,
,,eine solche Regelmässigkeit herrscht in dieser Beziehung. . . Der noch
nicht 30 Jahre alte Mann, welcher eine Frau von 60 Jahien heirathet,
ist doch sicherlich nicht durch ein Verhängniss oder eine blinde Leidenschaft
getrieben; er befindet sich im Falle, seinen freien Willen im vollsten
Umfang anzuwenden. Und dennoch kam er dahin, diesem andern
Budget, das nach den Gebräuchen und Bedürfnissen unsers Gesellschaftsorganismus
geregelt ist, seinen Tribut zu entrichten; und gerade
diese budgetmassigen Steuern werden mit grösserer Regelmässigkeit
abgetragen, als jene, die man an die Staatscasse zu leisten hat." —
Das von Quetelet besonders er wähnte V erhältniss ist aber um so merkwürdiger,
als es selbst in denjenigen Jahren bestätigt wird, welche (z. B.
in Folge von Theuerung) eine Verminderung der Heirathen überhaupt ergeben.
Gerade in solchen Ausnahmsjahren hält sich die Zahl der anormalen
Eheabschlüsse nicht blos auf der gleichen Höhe wie früher, sondern sie
scheint sogar noch um etwas zu steigen. Wenigstens lässt solches das
von Adolph Wagner hervorgehobene Beispiel aus Oesterreich annehmen.
In diesem Staate betrug die Zahl der Eheabschlüsse im J. 1852 316,800,
wovon 231,900 zwischen Ledigen und 85,000 zwischen Brautleuten,
von denen ein Theil oder beide Theile verwittwet waren. Im J. 1855
sank die Gesammtzahl der Heirathen auf 2 15,000 herab ; die enorme
Verminderung von 72,000 traf indess ausschliesslich auf die Normalehen
(zwischen Ledigen), die auf 156,000 gesunken waren, während sich die
anormalen Heirathen sogar bis zu 79,000 vermehrten. Aber 1852 kostete
der Metzen Weizen nur 3,85 fl , 18o5 dagegen 6,04 fl. österr. W.
Es scheint darin die Andeutung zu liegen, dass gerade in schlimmen
Zeiten die (schon einen stabileren bürgerlichen Besitz geniessenden) Verwittweten
mehr Gelegenheit zur Wiederverheirathung finden als sonst.
Manche, die sich ohne die Ungunst der Zeit ebenfalls verheirathet haben
würden, und zwar mit bisher Ledigen, wählen nun — in der Classe der
Verwittweten (oder Geschiedenen). .
»Man glaube nur nicht«, fährt Quetelet, übereinstimmend mit dem
von uns bereits Gesagten fort, »dass die Heirathen die einzige Abtheilung
gesellschaftlicher Thatsachen bilden, welche einen so regelmässigen
und stetigen Gang aufzuweisen haben. Mit den Verbrechen verhält
es sich ebenso, und sie ziehen alljährlich die Strafen im gleichen Verhältnisse
nach sich. Dieselbe Gleichmässigkeit lässt sich bei den Selbstverstümmelungen
nachweisen, um sich der Conscription zu entziehen ;
bei den Summen, welche in öffentlichen Spielhäusern gesetzt werden
; ja sogar bei den der Post übergebenen, ungenau oder unrichtig