Full text : Währung und Handel

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ganze  Zahlungsbilanz  ungünstig  sein  sollte  —  und  sie  kann
dies  'sein,  selbst  wenn  die  Balanz  des  Waavenhaiidels  günstig
ist  —  wird  dadurch  eben  so  wenig  eine  vorher  gesunde
Valuta  zerrüttet,  als  die  Herstellung  einer  zerrütteten  Valuta
verhindert  werden.*)  Vor  allem  schon  deshalb  nicht,  weil
die  Wechselcourse  und  folglich  die  Zahlungsbilanz  in  solchen
Ländern  vorwiegend  nur  aus  dem  Grunde  ungünstig  sind,
weil  eben  die  Valuta  zerrüttet  ist;  beseitigt  man  diese  Ursache,
')  Selbst  Göschen  (Theorie  der  auswärtigen  Wechselcourse)  begeht  in
diesem  Punkte  einen  bedauerlichen  Irilhum.  Er  hält  es  tur  wahrscheinlich,
«dass  in  vielen  Fällen  die  Rntwerthung  der  Münze  die  directe  oder  indirecte
Folge  übermässiger  Einfuhren  ist,  mindestens  eben  so  häufig,  als  die  Folge
von  Schulden  und  Bankerotten  der  Staaten“.  Nichts  kann  unrichtiger  sein.
Niemals  haben  übermässige  Einfuhren  eine  Papiergeldemission  erzwungen,  niemals ­
  kann  sich  ohne  die  letztere  eine  Landesvaluta  um  mehr  als  den  Betrag
der  natürlichen  Verlustgrenze  der  Wechselcourse  entwerthen.  Denn  ohne  die
Zettelemission  kann  sich  das  IJebermass  der  Einfuhr  unmöglich  dauenid  erhalten ­
  ,  da  der  beginnende  Abzug  des  Baargeldes  nothwendiger  Weise  die
Zahlungsbilanz  alsbald  herstellen  muss.  Nur  wenn  die  Emission  uneinlöslicher
Noten  in  die  durch  den  Baarabfluss  entstandene  Lücke  im  Circulationsbedarfe
eintritt  und  dadurch  die  Rückwirkung  des  Geldabflusses  auf  die  Preisverhältnisse ­
  ])aralysirt,  ja  an  die  Stelle  der  sonst  unweigerlich  eintreteuden  Erraässigung
  aller  Preise  sogar  eine  Preissteigerung  treten  lässt;  nur  dann  kann  sich
das  Uebermass  der  Importe  dauernd  erhalten  und  nur  dann  kann  trotz  stetiger,
bis  zu  völliger  Erschöpfung  fortschreitender  Vermiudernng  des  MetalIgeldvorrathes
  eine  Üeldeutwerlhung  eintreten.  Der  Richtigkeit  dieses  Sachverhaltes
kann  sich  dieser  hervorragende  englische  Volkswirth  selbst  nicht  verschliessen,
denn  in  der,  dem  oben  citirten  Satze  unmittelbar  folgenden  Begründung  wird
der  Verlauf  der  Ereignisse  in  den  Papiergeldländern  doch  so  geschildert,  dass
allemal  die  Zettelemission  —  gleichviel  zu  welchem  Zwecke  und  aus  welchem
Anlasse  —  den  Beginn  macht  und  die  steigende  Einfuhr  blos  die  nothweudige
Folge  ist;  es  wird  auch  nachdrücklich  betont,  dass  Zettelemissionen  die  Zahlungsbilanz ­
  stets  mehr  und  mehr  verschlimmern  ;  es  wird  sogar  an  einem
Beispiele  gezeigt,  dass  besorgnisserregende  Geldausfuhren,  da  eine  Zettelemission
  vermieden  wurde,  ganz  von  selbst  wieder  aufliörten  nichtsdestoweniger ­
  wird  am  Schlüsse  nochmals  die  Möglichkeit  einer  „Erschöpfung“
des  haaren  Geldvorrathes  ohne  vorherige  Emission  von  Papiergeld  statuirt,
und  von  der  Herstellung  des  Gleichgewichtes  in  der  Zahlungsbilanz  erst  nach
erfolgter  Entblössung  des  Landes  von  Eirculationsmitteln  gesprochen.  Bei  der
grossen  Autorität,  die  Göschen  in  England  wie  auf  dem  Continente  mit  Recht
in  allen  Fragen  des  Wechselcourses  und  der  internationalen  Zahlungsbilanz
geiiiesst,  wäre  es  von  grossem  Nutzen,  wenn  er  diesen  Irrthum,  der  namentlich
im  österreichischen  Laienpublicum  viel  Unheil  gestiftet  hat,  bei  passendem
Anlässe  selbst  corrigiren  wollte.
            
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