Full text : Währung und Handel

Es  verhält  sich  aber  mit  dieser  Argumentation  genau  so,
wie  mit  den  anderen  Gründen,  die  gegen  die  Goldwährung
vorgebracht  wurden.  Die  Prämisse  ist  unwahr  und  überdies
ist  die  Schlussfolgerung  eine  logisch  unrichtige.  Weder  ist  die
Zahlungsbilanz  Oesterreichs  so  ungünstig,  oder  seine  Armuth
so  gross,  als  von  dieser  Seite  geglaubt  wird,  noch  würde
daraus,  wenn  dem  wirklich  so  wäre,  folgen,  dass  es  das
zu  seinen  Circulationszwecken  nöthige  Gold  nicht  im  Lande
behalten  könnte.  Mehr  als  bei  allen  anderen  Fehlschlüssen,  die
bisher  widerlegt  wurden,  handelt  es  sich  hier  um  Missverständnisse ­
  der  eigenthümlichsten  Art,  die  einen  Theil  des
Publicums  mit  geradezu  abergläubischer  Angst  vor  dem  Golde
erfüllen,  welches  damit  gleichsam  als  das  Zauberelixir  hingestellt ­
  wird,  durch  dessen  Anwendung  die  Ausbeutung  Oesterreichs ­
  durch  die  Uebermacht  ausländischer  Capitalisten  erst
recht  erleichtert  würde.  Es  wird  daher  nötliig  sein,  gerade
diese  letzteren  Bedenken  am  sorgfältigsten,  zu  widerlegen.  1st
doch  selbst  das  an  wirthschaftlicher  Einsicht  um  so  Vieles
höher  stehende  Deutschland  von  dem  Schrecken  nicht  verschont
geblieben,  den  die  dort  sporadisch  immer  noch  vorhandenen
Anhänger  der  Silberwährung  oder  der  Doppelwährung  gegen
das  Gold  wachzurufen  verstanden,  als  dies  zeitweilig  abzuströmen ­
  begann.  Um  wie  viel  mehr  ist  die  Angst  vor  dem
GoldabÜusse  in  Oesterreich  zu  beachten,  wo  die  leere  Phrase
auch  in  wirthscliaftlichen  Dingen  die  öffentliche  Meinung  gar
leicht  beherrscht,  wo  Jedermann,  der  ein  paar  nationalökonomische ­
  Schlagworte  zu  gebrauchen  versteht,  das  allgemeine
Urtheil  verwirren  darf.
Es  wird  also  behauptet,  dass  Oesterreich  zu  den  international ­
  armen  Ländern  gehöre  und  dass  seine  Zahlungsbilanz
ungünstig  sei.  Beide  Behauptungen  werden  im  Uebrigen  gewöhnlich ­
  als  identisch  aufgefasst,  Reichthum  als  gleichbedeutend ­
  mit  günstiger,  Armuth  als  gleichbedeutend  mit  ungünstiger ­
  Bilanz.  Dass  diese  Identität  nicht  besteht,  zeigt  die
Erfahrung  und  nur  einigcrmassen  unbefangenes  Nachdenken
in  gleicher  Weise.  Selbst  wenn  man  aus  der  Gesammtheit
der  Zahlungsbilanz  blos  die  W^aarenbilanz  herausgreift,  ist  es
ganz  und  gar  unrichtig,  dass  die  international  armen  Länder
in  der  Regel  mehr  Waaren  vom  Auslande  beziehen,  als  dahin
            
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