Handwerk und Grossindustrie. 683
schliesslich in jedem Gewerbszweig das eine grösste Etablis-
sement alle andern auffressen werde, ist ein Wahn; es wird
immer noch kleine und mittlere Betriebe von einer gewissen
Selbständigkeit geben; aber diese haben eine natürliche Ten-
denz, sich selbst fabrikmässig zu entwickeln, und ihre Zahl
und ihre Bedeutung nehmen den wirklichen Grossbetrieben
gegenüber relativ unrettbar beständig ab.
Es ist der Werth der Geschichte, dass sie uns lehrt, in
der Gegenwart das Starke vom Schwachen, das Wichtige und
Bedeutende vom Unwichtigen und Unbedeutenden zu unter-
scheiden, dass sie uns zeigt, worauf es heute ankommt. Sie
Jehrt uns nicht, was heute der Zukunft zu Ehren im HEin-
zelnen geschehen soll, aber sie lehrt uns, auf welchen Gebie-
ten und in welcher Richtung wir arbeiten müssen, um über-
haupt Erfolge haben zu können,
D. h. auf unseren Fall angewendet: Wenn wir an sociale
Ordnung, an Organisation des Gewerbes denken, so müssen
wir in erster Linie an die Gross- und speciell an die Fabrik-
industrie denken. Ihre Ordnung wirkt beherrschend auf die
Kleinindustrie zurück — das Umgekehrte findet aber nicht
mehr statt.
Man kann das Uebergewicht der Grossindustrie vom so0-
cialen und politischen Standpunct nicht mit Unrecht bekla-
gen, weil dadurch der Bestand eines gesunden, kräftigen, ge-
sicherten Mittelstandes erschüttert, und weil das eigentliche
Proletariat mit all seinen Leiden und Gefahren dadurch be-
günstigt wird. Allein wir dürfen nicht vergessen, dass die
Fabrikindustrie siegt, weil sie den allgemeinen Bedürfnissen
entgegenkommt; dass ein Volk, welches sie bei sich verhin-
dern wollte, kein Volk mit blühendem Handwerk, sondern ein
Volk mit lauter gewerblichen Proletariern, ohne Fabrikanten
werden würde, Die grosse Aufgabe, die vor allen Culturvöl-
kern steht, ist die, die grosse Industrie selbst zu organisiren,
so dass der Arbeiter eine gesicherte Existenz bekommt, und
in der Grossindustrie ein neuer Mittelstand entsteht. — Der
Staat kann diese Organisation nicht schaffen, er kann sie nur
unterstützen, er kann Excesse der Capitalmacht unterdrücken,