fullscreen: Der geistige Arbeiter in der gegenwärtigen Gesellschaft und Geschichtsepoche

den Laiengelehrten anstelle des Klerikers setzt, und zwar zu- 
nächst nur in einer geringen Zahl. Das Prozentverhältnis der- 
jenigen, die studierten, die sich also zur geistigen Arbeiterschaft 
rechnen konnten, ist im Anfange außerordentlich niedrig. 
Wenn wir die Lage der sozialen Schicht, von der wir sprachen, 
in der stufenweisen Abfolge ihrer Entwicklung prüfen wollen, 
müssen wir uns auf jeder Stufe fragen: Woher kommt 
die Schicht der geistigen Arbeiter in bestimmten Epochen? Aus 
welchen Gesellsch aftsklassen? Wohin geht sie? In welche 
Klasse mündet sie ein? Welches ist die gesamte gesellschaft- 
liche Stellung? Was ist die ökonomische Unterlage des gei- 
stigen Arbeiters, d. h. wovon lebt er? Und weiter: Was ist 
die ideologische Einkleidung, d. h. in welcher Vorstellungs- 
welt lebt er kraft seiner ökonomischen Daseinsweise? 
Wenn wir nun diese Fragen für die älteste Zeit uns zu beant- 
worten suchen, müssen wir feststellen: WelcheLaienkreise besuchen 
zuerst die Universität und das humanistische Gymnasium? 
denn diese zwei Studienanstalten sind zunächst die einzigen, die 
in Betracht kommen. In der Regel sind es Kinder der Stadt- 
bürger und Kinder des niedrigen Adels, höchst selten andere 
Gessellschaftsschichten. Diese, die nun durch das humanistische 
Gymnasium und die Universität durchgehen, haben drei Stu- 
dienmöglichkeiten und nehmen dreifache Stellungen ein, nach den 
drei Fakultäten ~ außer der theologischen, die für uns nicht in 
Betracht kommt, wie denn überhaupt die eine Gruppe der geisti- 
gen Arbeiter, die ich geistliche Arbeiter nennen möchte, bis heute 
fortbesteht, aber für unsere Untersuchung außer Betracht bleibt. 
Ein Teil studiert Jura. Was wird denn aus den Juristen? 
Die Juristen werden in dem Maße, wie das römische Recht das 
alte deutsche Recht verdrängt, wie der gelehrte Richter anstelle 
des Laienrichters tritt, mit dem sich das ganze Mittelalter be- 
holfen hat, Richter und Anwälte. ~ Die Medizin ist ein freier 
Beruf, sie nimmt aber bedeutend in ihrer zahlenmäßigen Be- 
setzung zu. ~ Die philosophischen Fakultäten stellen die Lehrer. 
Alle drei Gruppen zusammen sind praktisch die einzigen gei- 
stigen Berufe. In dem Maße wie die Stände durch das abso- 
lute Fürstentum verdrängt werden, treten die Kameralisten 
neben die Juristen. Die Kameralisten besetzen die Verwaltungs- 
ämter des Landesfürsten. Diese Berufsgruppen also stellen die 
ganze studierte Welt jener Zeit dar.
	        
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