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Capitel V.
sondern vielmehr, wie gesagt, wenigstens zunächst
immer nur der Stand (des Diskontos und) der Wech-
wolü im Alterthum und Mittelalter üblich, kommt aber heutzu
tage, wenigstens in Europa, bei den modernen oder ökonomisch
vorgeschrittenen Völkern, und in Eriedenszeiten kaum mehr vor
(ausser höchstens noch bei den Bauern). Siehe schon die oben
citirte Stelle von Stewart. Vielmehr giebt es heutzutage neben
der eigentlichen Kassenhaltung, die wenigstens in erster Linie
nur dem Bedarf an Geld zu Zahlungen im Inlande dient oder zu
dienen bestimmt ist, nur noch einen Handel mit Edelmetall,
in der Gestalt von Barren und fremder Münze („bullion trade“),
der nicht nur einen Ueberfluss und Mangel an Edelmetall zu
Prägungszwecken sondern auch einen UeberÜuss und Mangel an
Edelmetall zu Zahlungen nach dem Auslande auszugleichen be
strebt ist. Auch die Banken häufen nicht planmässig Geld oder
Gold und Silber über den Bedarf hinaus an, sondern halten
nur Geld vorräthig im Hinblick auf ganz bestimmte Zwecke,
d. h. um einem möglicherweise oder voraussichtlich eintretenden
Bedarf zu Zahlungen, sei es im Inland oder nach dem Auslande,
entsprechen zu können. Zum Theil führen sie die- Kasse des Pu
blikums, zum Theil treiben sie auch, wie z. B. die Bank of Eng
land, Handel mit Edelmetall. Wenn sie mehr Geld oder Edelme
tall vorräthig halten, als stricte erforderlich ist, oder thatsächlich
wirklich zur Verwendung kommt, so geschieht das eben einfacli
der Sicherheit wegen, d. h. weil sich der Bedarf an Geld zu
Zahlungszwecken niemals genau vorausberechnen lässt, nicht aber
zu dem „abstracton“ Zweck, „um jederzeit im Fall des Bedarfs
über Kaufkraft verfügen zu können.“ Wäre es nach alledem nicht
besser, wenn man diesen ganzen Nibelungenhort in den Rhein ver
senken und sich einfach mit der Unterscheidung zwischen Geld
und Waare, und zwischen Münze, im Sinn der Landeswährung