Full text : Grundsätze der Volkswirtschaftslehre

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II.  Buch.  Der  Güteraustausch.

1.  Wenn  sich  in  einem  Lande  gewisse  Productionszweige,  für  welche
dasselbe  die  natürlichen  Existenzbedingungen  besitzt,  nicht  vorfinden,  wenn  z.  --trotz
  reicher  Woll-  und  Banmwollvorräthe  keine  Stoffe  aus  denselben  hergestellt ­
  werden,  sondern  der  Bedarf  der  Bevölkerung  durch  die  Einfuhr  solcher
Waren  von  auswärts  befriedigt  werden  muß,  wird  die  Festsetzung  eines  Zolles,
welcher  die  ausländischen  Erzeugnisse  vertheuert,  die  Verfertigung  von  Gütern
der  betreffenden  Art  im  Jnlande,  also  die  Nutzbarmachung  der  productiven
Kräfte  des  letztern  zur  Folge  haben.  Es  ist  nun  aber  in  Betracht  zu  ziehen,
daß  die  Entwicklung  dieser  Industrien  die  Production  derjenigen  Gegenstände,
durch  deren  Export  die  Mittel  zur  Bezahlung  der  bisher  importirten  Stoffe
aufgebracht  wurden,  ipso  facto  einschränkt,  daß  also  z.  B.  weniger  Eier,
Butter  oder  Mastvieh  erzeugt  wird.  Demnach  erweist  sich  die  Einführung
neuer  Productionszweige  nur  dann  als  Vortheilhaft,  wenn  dieselben,  nachdem
die  ersten  Schwierigkeiten  überwunden,  die  Arbeiter  geschult,  die  nöthigen
Handelsbeziehungen  angeknüpft,  die  Etabliffements  an  den  gehörigen,  die  gü"-stigsten
  Chancen  des  Erfolgs  aufweisenden  Punkten  des  Landes  errichtet  und  in
dein  Maße  erweitert  worden  sind,  daß  die  Vortheile  der  vollständigen  Arbeit«-theilung
  und  -Vereinigung  sowie  des  Gesetzes  der  zunehmenden  Einträglich^
zu  ungeschmälerter  Wirksamkeit  gelangeil,  einen  hohen  Reingewinn  abwerfen-Bringen
  dann,  nach  Erfüllung  aller  der  eben  genannten  Bedingungen  ^
Erfolgs,  die  neuen  Industrien  einen  größern  Gewinn,  als  der  durch  ^
Einschränkung  der  von  alters  her  bestehenden  Productionszweige  verursacht
Verlust  war,  so  erweist  sich  die  staatlich  gewährte  Protectioii  als  gerechtfertigt. ­
  Was  aber  die  durch  diese  Entwicklung  der  neuen  Unternehmung  '
arten  herbeigeführte  Einschränkung  gewisser  liationaler  Productionszweige  anlangt, ­
  so  muß  darauf  hingewiesen  werden,  daß  nur  die  unter  ungünstig^
Bedingungen  producirenden  Betriebe  zu  Grunde  geheii.  Auch  hat  man  şi
gegenwärtig  zu  halten,  daß  das  Entsteheii  neuer,  vortheilhafterer  Industrie
im  Lande  sowohl  die  Einwanderung  Fremder  herbeiführen  als  auch  die  Änswanderung
  Einheimischer  verhindern  wird,  weil  sich  infolge  desselben  für  ^
größere  Anzahl  von  Menschen  lohnende  Beschäftigung  findet,  bezw.  die
sichten  auf  sichern  Absatz  ihrer  Erzeugnisse  sich  verbessern.  So  brauchen  d>
alten  Productionszweige  keine  oder  nur  eine  geringe  Einschränkung  zu  erfahr^
während  die  neuen  Unternehmungen  denjenigen,  welche  sonst  in  der  Hei^
keine  Arbeit  gefunden  hätten,  Beschäftigung  gewähren.
Aus  verschiedenen  Beispielen  läßt  sich  der  unwiderlegliche  Beweis  i  ^
die  Thatsachen  erbringen,  daß  die  Einführung  neuer  Industriezweige  ^
Productionsarten  bezw.  deren  Sicherung  durch  Schutzzölle  zum  AufschwU"
der  productiven  Kräfte  und  des  Reichthums  der  betreffenden  Länder  mäch
beiträgt.  Man  bedenke  nur,  was  es  für  England  zu  bedeuten  hatte,  als  ^
            
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