Full text : Grundsätze der Volkswirtschaftslehre

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II.  Buch.  Der  Güteraustausch.

Gewinn  unter  Umstünden  weit  überragt,  wieder  ins  Leben  zu  rufen.
behaupten  manche,  daß  die  Weizencultur  Westeuropas  durch  den  Import  aus
den  westlichen  Gebieten  Amerikas  und  Argentiniens,  wo  noch  der  Raubbau
herrscht,  schwer  geschädigt  werde,  und  daß  spater,  wenn  es  in  diesen  Ländern
einmal  mit  dem  Raubban  zu  Ende  gehen  werde,  der  Wiederbeginn  des  Weizenbaues
  in  den  betreffenden  europäischen  Gegenden  so  große  Kosten  verursachen
würde,  daß  sie  den  für  die  Nation  aus  den  vorübergehend  niedrigen  Kornpreisen
  erzielten  Nutzen  mehr  denn  aufwiegen  würden.  Mag  dem  nun  sein,
wie  ihm  wolle,  auf  jeden  Fall  werden  hierdurch  die  Einflüsse  der  besondergünstigen
  Productionsverhältnisse  gewisser  Gegenden  auf  die  Zustände  anderer
Länder  trefflich  illustrirt.  Endlich  kann  sich  aber  auch  ein  Import  von  9 fs
wissen  Artikeln  entwickeln,  durch  welchen  ohne  die  Borkehr  staatlicher  Schuß'
maßregeln  eine  im  Jnlande  blühende  Industrie  oder  ein  sonstiger  Betriebszweig ­
  für  immer  vernichtet  werden  würde,  da  die  Productionsbedingungen  bcimportirenden
  Landes  dauernd  günstigere  sind.  In  solchen  Fällen  ist  die
staatliche  Protection  dann  angezeigt,  wenn  kein  für  die  öffentliche  Wohlfahrt
gleich  vortheilhafter  Productionszweig  an  die  Stelle  des  durch  den  Import
bedrohten  gesetzt  werden  kann.  So  ist  es  z.  B.  gerechtfertigt,  daß  die  Regierungen ­
  von  Oesterreich  und  Frankreich  die  Weinproduction  durch  Schußzölle
  schirmen,  da  der  dem  Weinbau  dienende  Grllnd  und  Boden  bei  anderweitiger
  Verwendung  nicht  den  entsprechenden  Ertrag  liefern  könnte,  und  da
es  nicht  wahrscheinlich  ist,  daß  infolge  der  durch  den  Genuß  der  billigern  att^
ländischen  Weine  erzielten  Ersparungen  und  mit  Hilfe  der  verfügbar  werdenden
Arbeitskräfte  in  Frankreich  an  die  Stelle  der  Production  der  minderwerthigew
durch  die  italienische  und  spanische  Concurrenz  bedrohten  Weinsorten,  wie  M
die  französischen  Producenten  zur  Mischung  mit  edlern  Sorten  verwenden,
neue,  in  gleichem  Grade  einträgliche  Productionszweige  treten  würden.
3.  Die  auf  die  nationale  Sicherheit  zu  nehmenden  Rücksichten  können
es  nothwendig  machen,  daß  alle  Kriegsbedürfnisse  im  Lande  erzeugt  werden,
und  daß  man  Vorkehrungen  trifft,  damit  nicht  im  Kriegsfälle  eine  feindliche
Macht  den  Bezug  der  Nahrungsinittel  und  der  sonstigen  nothwendigen
stände  des  nationalen  Consums  abzuschneiden  vermöge.  Eine  weitere  Maß'
regel  zu  Gunsten  der  Größe  und  der  wirtschaftlichen  Unabhängigkeit  einer
Nation  besteht  in  der  Gewährung  von  Prämien  an  die  Schiffsbauer  und  #
dem  Verbote,  daß  sich  andere  als  einheimische  Schiffe  an  der  Ein-  und  2lU  '
fuhr  der  verschiedenen  Produkte  betheiligcn.  Man  schreitet  zu  solchen  Maß'
regeln,  um  die  Zahl  der  Schiffe  und  der  Seeleute  des  eigenen  Landes  i 11
vermehren.  Derartige  Schiffahrtsgesetze  und  überhaupt  alle  derartigen,  ^
nationale  Unabhängigkeit  im  Auge  habenden  Gesetze  können  natürlich  nur  da^
von  Erfolg  begleitet  sein,  wenn  die  andern  Staaten  nicht  in  der  Lage  şiu  '
            
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