Full text : Schragen der Gilden und Aemter der Stadt Riga bis 1621

154

Der  Verfall  der  Ämter  im  17.  Jahrh.  u.  die  Reformbestrebungen.

begonnene  Güterrevision  stellte  bis  zum  Jahre  1637  in  Livland
2871  Haken»  fest,  und  die  im  nächsten  Jahre  ihre  Thätigkeit  eröffnende ­
  Revisionskommission  ermittelte  bis  zum  Jahre  1641  deren
4343*  Allerdings  erhoben  sich  gegen  diese  Aufstellung  so  zahlreiche ­
  ritterschaftliche  Reklamationen,  dass  die  für  die  unmündige
Königin  Christine  fungirende  vormundschaftliche  Regierung  ihre
Berechtigung  anerkennen  und  Abhilfe  versprechen  musste*.  4>otzdem
  wird  sich  nicht  in  Abrede  stellen  lassen,  dass  der  schärferen
Vermessung  die  Vorstellung  seither  sich  herausstellender  grösserer
Wohlhabenheit  zu  Grunde  gelegen  haben  muss.  Nach  Durchführung ­
  der  Reduktion  von  1680  wurden  denn  auch  6236  Haken
festgestellt.  Immerhin  war  Livland  noch  weit  entfernt  von  den
früheren  befriedigenden  Verhältnissen.  Der  Reisende  Strauss  fand
im  Jahre  1668  von  Riga  bis  Wolmar  einen  zusammenhängenden
Wald  und  Morast,  in  dem  sich  nur  hier  und  da  einzelne  Bauern
angebaut  hatten,  und  ebenso  öde  schildert  1673  der  Reisende  Brand
das  Land,  da  er  von  Riga  bis  Neuhausen  nur  drei  Landkirchen  sah.
Besser  als  das  platte  Land,  wo  namentlich  der  Adel  durch  die
Güterreduktion  zu  leiden  hatte,  entwickelten  sich  die  Städte,  wenig'
stens  die  grösseren.  Die  städtischen  Obrigkeiten  hatten  volle
Ursache  mit  den  Maassnahmen  der  Regierung  zufrieden  zu  sein,

die  ihre  Privilegien  mehrte  und  ihr  Selbstverwaltungs-  und  (iesetzgebungsrecht
  sich  ungestört  erweitern  liess.  Die  Regierung  ver
mied  alle  gewaltsamen  Eingriffe  in  die  inneren  Verhältnisse  uf
gestattete  den  städtischen  Ständen  das  Verfassungs-  und  (»erichts
wesen  selbständig  bis  ins  Einzelne  zu  ordnen.  Im  Jahre  1660  wurde
Riga  zur  zweiten  Stadt  der  schwedischen  Monarchie  ernannt  un
den  Mitgliedern  seines  Rathes  der  Adel  verliehen.  Riga  erwarh
eine  ansehnliche  Vergrösserung  seines  (Grundbesitzes,  verwaltet^
seine  Kirchen  und  Schulen  selbständig,  bildete  seine  auf  das  Zusatz
menwirken  des  Raths  und  der  beiden  (Gilden  gegründete  Verfassung
in  gedeihlicher  Weise  weiter  aus  und  nahm  einen  entschiedenen
Aufschwung.  Dorpat  wurde  durch  die  Eröffnung  der  Universität
und  des  Holgerichts  wesentlich  gefördert,  Bernau  gewann  in  Eolg^
des  lebhaften  Handels,  der  sich  zwischen  Schweden  und  Livlan»
anbahnte.  Nur  die  kleineren  Städte,  wie  hellin,  Wenden,  Wolninf'

1  Rin  Flächenmaass  zu  i  So  Tonnen  Randes  à  i4,(xxi  (,).-Rilen.  Näheres
Eckardt,  a.  a.  O.,  S.  79—80.
2  Eckardt,  a.  a.  O.,  S.  83  ff.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.