Metadata : Volkswirtschaftliches Quellenbuch

580  Fünfter  Teil.  Verkehr.  IV.  Binnen-  und  Seeschiffahrt.

des  ganzen  Betriebes  gefürchtet  werden  mußte,  erklärten  sich  alle  Beamten  von  den
Prokuristen  abwärts  sofort  bereit,  Hafendienste  als  Beauffichtiger  und  Arbeiter  zu
tun.  Zum  Teil  wurde  in  der  Tat  von  dieser  Bereitschaft  Gebrauch  gemacht,  und  es
gelang  ohne  Schwierigkeiten,  den  Betrieb  ordnungsmäßig  in  Gang  zu  halten.  Unvergessen ­
  bleibt  auch  die  Hilfeleistung  von  Aalesund,  für  die  in  24  Stunden  ein  unbenutzter ­
  Dampfer  von  über  7000  Tons  segelfertig  gemacht  und  mit  Proviant,  Kleidung,
Krankenpflegematerial  usw.  für  4000  Personen  auf  3  Wochen  ausgerüstet  wurde.
Daß  in  dieser  Beamtenschaft  mindere  Geister  und  Charaktere  dann  und  wann  mit
unterlaufen  und  Enttäuschung  bereiten,  wo  wäre  das  zu  vermeiden?  Aber  das  hohe
Ansehen  des  deutschen  Seemannes  auf  allen  Meeren  ist  nicht  zum  geringsten  Teil
durch  Hapag-Offiziere  und  -Mannschaften  verbreitet;  der  kaufmännische  Generalstab
Ballins  hat  in  hundert  schwierigen  Lagen  seine  unbedingte  Zuverlässigkeit,  den  freudigen ­
  und  selbstverständlichen  Willen  zur  Aufbietung  höchster  Kräfte  gezeigt.  Neben
Männern,  die  länger  als  ein  Menschenalter  mit  ihren  Kenntnissen  der  Paketfahrt
gedient  haben,  wirken  jüngere  Intelligenzen,  die  in  mehr  oder  minder  raschem  Aufstieg ­
  zu  verantwortungsvollen  Posten  berufen  wurden.  Ballin  selbst  begann  ja  sein
großes  Werk  bereits  im  Alter  von  noch  nicht  30  Jahren.  Soweit  Urteil  es  zuläßt,
gehört  hier  immer  dem  Tüchtigsten  die  Welt.  Daß  Ballin  großzügig  zu  belohnen,  zu
fördern  und  zu  benutzen  weiß,  gehört  zu  den  Selbstverständlichkeiten  einer  Führernatur. ­

Die  großen  materiellen,  moralischen  und  geistigen  Güter,  die  in  diesem  Betriebe
aufgespeichert  und  tätig  sind,  bilden  heute  naturgemäß  einen  deutschnationalen  Besitz
von  schätzenswerter  Wichtigkeit.  Im  gewohnten  und  erfreulichen  Zustand  des  Friedens ­
  werden  sich  nicht  viele  dieser  Wichtigkeit  von  selbst  bewußt.  Doch  ist  zweifellos,
daß  die  deutsche  Kriegsmarine  in  der  deutschen  Handelsschiffahrt  und  besonders  auch
in  der  Paketfahrt  eine  tüchtige  Helferin  besitzt.  Denn  wenn  auch  die  Deutsche  Regierung ­
  nicht  gleich  der  Englischen  Subventionen  lediglich  zu  dem  Zwecke  zahlt,  Schiffe
der  Handelsmarine  als  wohlausgerüstete  Hilfskreuzer  zur  Verfügung  zu  haben,  so  sind
doch  zahlreiche  deutsche  Kauffahrteischiffe  infolge  ihrer  allgemeinen  Qualität  und  Führung ­
  zweifellos  an  sich  gut  befähigt,  Hilfsdienste  im  Kriege  zu  leisten.  Ihre  Kapitäne,
Offiziere,  Maschinisten  und  Mannschaften  bilden  ein  großes  national-deutsches  Kontingent ­
  geübter  Seeoffiziere  und  Seesoldaten,  deren  Disziplin,  Mannhaftigkeit  und
Geschicklichkeit  sich  voraussichtlich  auch  in  äußersten  Fällen  bewähren  würden.
Daß  die  Hamburg-Amerika  Linie  in  Hamburg  ein  großes  Ansehen  genießt,  daß
sie  der  Stolz  Hamburgs  ist,  bedarf  keines  Beweises.  In  ausländischen  Häfen  und
Ländern  spielt  sie  überall  eine  bemerkenswerte,  oft  eine  bedeutende  Rolle.  Ein  namhafter ­
  und  vielgereister  Schriftsteller,  der  vor  einigen  Jahren  Westindien  und  Mexiko
besuchte,  schrieb  dem  Verfasser,  es  habe  ihn  vor  allem  mit  Stolz  und  Freude  erfüllt,
immer  wieder  feststellen  zu  können,  welche  Macht  die  Hamburg-Amerika  Linie  im
Auslande  darstellt.  „Ich  bin  zu  der  ehrlichen  Überzeugung  gekommen,"  heißt  es  in
dem  Schreiben,  „daß  die  Hamburg-Amerika  Linie  der  stärkste  Faktor  ist,  den  unser
Vaterland  für  die  Erhaltung  und  Kräftigung  des  Deutschtums  im  Auslande  auszuspielen ­
  hat."
In  Deutschland  selber  hat  der  erste  Mann  des  Reiches,  der  Deutsche  Kaiser,  in
jahrzehntelanger  Anteilnahme  dem  Ansehen  der  Gesellschaft  persönlich  die  weithin
sichtbare  Stellung  zugewiesen,  die  sie  heute  einnimmt.  Dankbar  ist  von  der  Hamburg-Amerika
  Linie  bei  verschiedenen  öffentlichen  Gelegenheiten  des  überaus  glücklichen
Geschicks  gedacht  worden,  das  ihrem  Wirken  an  mächtigster  Stelle  eine  so  verständnisvolle, ­
  so  energische,  so  dienliche  Förderung  vergönnt  hat.  Die  Gunst  des  Kaisers  gilt
dem  gegenwärtigen  und  zukünftigen  Werk,  gilt  nachdrücklich  auch  dem  Schöpfer  dieses
Werkes,  B  a  l  l  i  n.  Offensichtlich  bricht  sich  unter  solchem  Beispiel  in  unserem  Vater-
            
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