Kämpfe zwischen Papsttum und Kaisertum; goldene Bulle. 109
wie Werkzeug eines halb humanistisch, halb absolutistisch ge—
wandten, kaufmännisch klug berechnenden Willens.
Karl IV. ist vor allem König von Böhmen gewesen. Er
hat einmal aus der reichen Erfahrung von fast zwanzig Jahren
deutschen Königtums heraus geäußert: wäre er sicher gewesen,
daß die Fürsten des Reiches ihn in Böhmen in Ruhe gelassen
hätten, er würde niemals nach der deutschen Krone gestrebt
haben. In der That: was er vom Reiche von Anbeginn ver—
langte, das war Ruhe. So betrachtete er es als seine vor⸗
nehmste Aufgabe, so rasch als möglich die Reichspolitik der
ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts zu liquidieren und den bei
diesem Geschäfte bleibenden Restbestand an staatlichen Rechten
so zu buchen, daß er von seinem Dasein nicht allzusehr mehr
behelligt ward.
Da galt es vor allem, die Wittelsbacher zu versöhnen.
Sie versuchten, zuerst den König Edward III. von Eng-
land, dann den Markgrafen Friedrich von Meißen als Gegen—
könig aufzustellen. Karl beseitigte den einen durch kluge Ver—
handlungen, den andern durch stattliche Abfindung in Geld.
Als die Wittelsbacher dann einen dritten Kandidaten zum
Gegenkönigtum fanden, den Grafen Günther von Schwarzburg,
und auch wirklich aufstellten, dachte Karl wiederum keineswegs
an den Kampf, den alle Welt erwartete. Er schwächte viel—
mehr die Wittelsbacher in ihrer brandenburgischen Stellung
aufs empfindlichste, indem er einen Pilger, der im Jahre 1348
im Brandenburgischen auftrat und sich als den seit dreißig
Jahren tot geglaubten Askanier Waldemar ausgab, von Reichs
wegen anerkannte. Und als dies Mittel, wie auch Bestechungs-
versuche seines Großoheims Balduin von Trier bei den Kur—
fürsten von Köln und Sachsen nicht halfen, da entschloß sich
Karl kurz, mit seiner Person einzutreten: am 4. März 1849 hei—
ratete er zu Bacharach eine Wittelsbacherin, Anna, eine Tochter
des rheinischen Pfalzgrafen. So war Günther isoliert; nach
einem letzten rühmlichen Widerstand bei Eltville im Rheingau
ist er, am 14. Juni 18349, zu Frankfurt gestorben. Es blieb
nun bloß noch übrig, die Verhältnisse der Wittelsbacher im