Full text: Der Weltverkehr und seine Mittel

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Kammerschleuse. Kanäle in Holland und Frankreich. 
Mehrung. Die günstige, fast durchgehend horizontale Gestaltung des Landes erleichterte 
in hohem Maße den Kanalban. Nur bei den Einmündungsstellen der Kanäle in die 
Flüsse oder in die See wurde die Erbauung von Schleusen nötig. Die Kanäle der ersten 
Periode bestehen aus Gräben von hinlänglicher Wassertiefe und besitzen eine solche Breite, 
daß sich zwei der größten Schiffe bequem ausweichen können. Durch die Einführung 
regelmäßiger Verbindungen auf diesen Kanälen mittels von Pferden gezogener Trek- 
schuiten erlangten diese Wasserwege bereits frühzeitig für den Personenverkehr beachtens 
werte Bedeutung. Wie in den Vereinigten Niederlanden, so wurden auch in den öster 
reichischen Niederlanden außerordentlich zahlreiche Kanalanlagen geschaffen. In dem im 
Jahre 1643 von Dubic angelegten Kanal von Dixmünden und Fortknoke nach Ipern 
wurde bei Boesynge eine Doppelschleuse zur Überwindung eines 20 Fuß hohen Gefälles 
angelegt, ein Bauwerk, das seiner Zeit mit Recht als ein Meisterwerk galt. 
Frankreich beansprucht in der Geschichte des Kanalwesens einen hervorragenden 
Platz. Die ersten Versuche auf diesem Gebiete erfolgten innerhalb der Grenzen des 
heutigen Frankreich zu Neros Zeiten durch Lucius Vetus, der die Säone durch einen 
Kanal mit der Mosel verbinden wollte, um hierdurch eine Verbindung des Mittelländischen 
Meeres mit der Nordsee zu schaffen. Über das Anfangsstadium kam dieses Unternehmen 
jedoch nicht hinaus. In späterer Zeit wandte Karl der Große diesem Plan seine Auf 
merksamkeit zu, wie denn auch Franz I. (1515—1547) die Ausführung eines solchen 
Verbindungsweges als äußerst wünschenswert erkannte. Noch fehlte jedoch das Mittel, 
478. Kchlrvst mit 10 m gubljttlje im Kanal von Kt. Kcnis. 
durch welches allein die Möglichkeit der Führung eines Kanals über Berge, die 600 Fuß 
höher als die See lagen, gegeben wurde. Die Ausbildung der Kastenschleuse war eine 
unbedingte Voraussetzung der Verwirklichung eines jeden derartigen Gedankens. Unter 
Heinrich IV. (1589—1610) ward, vornehmlich auf Anregung des Ministers Sully, der 
erste Kanalbau in Frankreich thatsächlich im Jahre 1605 in Angriff genommen. Durch 
denselben wurde die Verbindung zwischen der Seine und der Loire durch den Kanal von 
Briare hergestellt. Der Kanal wurde jedoch erst unter Ludwig XIII. im Jahre 1642 
vollendet. Im Jahre 1666 begann der Bau des berühmten Kanals cln Uicii. Diese 
Ausführung war keine leichte Aufgabe. Der Kanal verbindet die Garonne mit der 
Rhone und stellt somit eine Verbindung über Land zwischen dem Atlantischen Ozean und 
dem Mittelmeer her. Der Entwerfer des Kanals erkannte mit richtigem Blicke die Stellen, 
an welchen für die so notwendige Wasserspeisung Sorge getragen werden konnte. Mittels 
Thalsperren wurden die erforderlichen Wasserbehälter geschaffen, und der Wasserbehälter 
von St. Ferriol galt noch im vorigen Jahrhundert als das größte und prächtigste Werk, 
das von den Neueren geschaffen worden war. Dieser Wasserbehälter besitzt ein Fassungs 
vermögen von ca. 3000000 odin, ein Quantum, das den Wasserinhalt des ganzen Kanals 
übersteigt. Der Kanal à Midi ist, wenn man von dem Stecknitzkanal absieht, das erste 
Werk, das zur Verbindung zweier Flüsse geschaffen wurde, die nicht durch einen horizon 
talen Wasserweg miteinander verbunden werden konnten. Mittels 74 Schleusen steigt der 
Kanal 180 m, durch 26 Schleusen fällt er zur Garonne 56 in. Im allgemeinen wird Paul 
Riquet als der Schöpfer genannt. Dies trifft jedoch nur insoweit zu, als man mit diesem 
Worte den ausführenden Unternehmer bezeichnen will. Der geistige Urheber ist Francois 
Andreossy (geb. 1633 zu Paris), ein Ingenieur, dessen Name in der Geschichte des 
Jngenieurwesens unvergessen bleiben wird.
	        
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