Full text: Logik des Geldes

82 Viertes Kapitel. Grundlegung einer wirtschaftlichen Theorie des Geldes. 
hier nur quantitativer Art sind; weist sie doch auf stufen 
weise Übergänge und Gradunterschiede hin. 
Es ist selbstverständlich, daß unsere Skala allein nicht ge 
nügt, um etwa in umgekehrter Reihenfolge für die Erkennt 
nis der historischen Entwicklung des Geldwesens eine un 
mittelbar anwendbare Formel zu liefern. Eine solche Formel 
gibt es aber überhaupt nicht, und dies nicht erkannt zu haben, 
ist der Fehler fast aller neueren Geldtheoretiker und -prak- 
tiker. Unsere Skala ist nichts als ein Hilfsmittel des Denkens, 
ein Schema, das zusammen mit anderen bekannten, von juri 
stischen und volkswirtschaftlichen Gesichtspunkten kon 
struierten Skalen uns in den Stand setzen soll, die Wirklich 
keit zu verstehen. 
Eine derartige andere Skala ergibt sich durch Umkehrung 
der unseren. Hier zeigt sich, wie anscheinend das Geld all 
mählich mehr und mehr seinen Stoffwert abstreift. 
Gleichzeitig deutet die erste Skala aber darauf hin, daß 
der »Vergeistigung« des Geldes sehr wohl eine Grenze ge 
zogen bleibt: Je weniger körperlich, desto »unsicherer« 
scheint der Charakter der Geldart unter unserem Gesichts 
punkte betrachtet. Letzter Zweck jeder Wirtschaft bleibt 
aber die definitive Befriedigung, zu der alle Geldarten immer 
wieder die Brücke zurückfinden müssen. Auch wer völlig in 
den Knappschen Anschauungen lebt, dürfte diese Brücke 
nicht abbrechen, ohne im uferlosen Nebel der wirtschaftlichen 
Vorstellungen den Weg zu verlieren. 
Viele sehen den Fortschritt in der Kultur des Geldes einzig 
in der wachsenden »Entkörperung« (Plenge), im Schwinden 
und Entbehrlichwerden des kostspieligen und unbequemen 
Stoffes, im Zunehmen des Kreditgeldes, in der Verdrängung 
der Barzahlung durch andere Zahlungsweisen. Aber mag das 
für einen immer größeren Teil des Zahlungswesens zutreffen, 
zwei Gebiete bleiben stets, die uns unangreifbar erscheinen.
	        
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