WANDERÜNGSVERLAUF UND GETROFFENE MASSNAHMEN. 109
Mitgliedszahlen und der Staatsangehörigkeitsziffern ge
nügt als Beleg für die Behauptung, daß sich ein großer
Teil der aus Norddeutschland gebürtigen oder stammenden
Flüchtlinge in Baden und den anderen süddeutschen sowie
den mitteldeutschen Staaten eine neue Heimat und Existenz
sucht. Dieses ist ihnen durch den Grundsatz, der bei
ihrer Aufnahme und Weiterleitung befolgt wurde, ermög
licht worden. Man konnte den vielen Tausenden von
Flüchtlingen weder Wohnung noch Arbeit anweisen. Hätte
diese Möglichkeit bestanden, so wäre ein gewisser Zwang
bei der Weiterleitung der Vertriebenen in ihre Heimat
staaten am Platze gewesen. Wohnung und Arbeitsmöglich
keit hätten außerdem auf die Flüchtlinge genügend An
ziehungskraft ausgeübt, um den Zwang nur in geringem
Maße in Erscheinung treten zu lassen. So aber mußte
man hoffen, daß sie durch freie Entschließung am ehesten
neue Existenzmöglichkeiten finden würden.
Für die Beamten war eine feste Bahn vorgezeichnet.
Sie wandten sich an die Zentralstelle für elsaß-lothringische
Beamte und Ruhegehaltsempfänger im Reichsministerium
des Innern und erhielten von dort ihr .Gehalt vorläufig
weitergezahlt. Ihren Aufenthalt konnten auch sie sich
nach ihrem Wunsch bis zur Wiederanstellung aussuchen,
soweit die Wohnungsnot noch Wünsche zuließ.
Den Arbeitern und 'den Angehörigen der freien Be
rufe, sowie den Handel- und Gewerbetreibenden suchte
man immerhin schon bei der Übernahme durch Arbeits
stellenvermittlung bei der Reichszentralstelle in Freiburg
bei der Neugründung ihrer Existenz behilflich zu sein.
Schon am 1. Februar 1919 begann bei der Reichszentral
stelle die Amtsstelle „Arbeitsvermittlung“ ihre Tätigkeit
damit, daß sie sofort mit dem städtischen Arbeitsamt
Freiburg, mit sämtlichen Arbeitsämtern Badens, Württem
bergs, Bayerns, mit dem Deutschen Technikerverband, ver
schiedenen kaufmännischen Vereinen, sowie Handwerks
kammern in Verbindung trat. Vertriebene aller Berufe nah
men diese Arbeitsvermittlung in Anspruch. Am 6. Februar
1919 richtete die Reichszentralstelle an die Ministerien