Full text : Geschichte des Zentralverbandes der Stickerei-Industrie der Ostschweiz und des Vorarlbergs und ihre wirthschafts- und sozialpolitischen Ergebnisse

daß  sie  trotz  Fachgericht  dem  Kaufmann  gegenüber  oft  fünf
müssen  gerade  sein  lassen.  Die  Lage  der  Fabriksticker  sei
überhaupt  so  traurig  nicht,  int  Gegentheil,  der  Fabrikant
müsse  sich  alle  Mühe  geben  nnd  große  Rücksichten  tragen,
um  gute  Sticker  behalten  zu  können.  Im  Abzugswesen  und
in  den  Retonrwaaren  solle  man  zuerst  ans  Abschaffung  des
oben,  des  von  der  Kaufmannschaft  tu  diesem  Kapitel  begangenen ­
  Unrechtes  dringen,  und  dann  erst  bei  den  arbeitnehmenden ­
  Fabrikanten  einsetzen.  Der  beste  Beweis  über  das
Werthlose  der  Vorlage  zeige  sich  aber  darin,  daß  die  Fabriksticker
  selber  nichts  davon  wissen  wollen.  Gin  Theil  der
Gegner  beantragte  gänzliche  Verwerfung  der  Vorlage,  ein
anderer  Theil  Rückweisnng  an  die  Zentralleitung  im  Sinne
der  Umarbeitung.  Wohl  gaben  sich  die  Vertreter  der  Zentralleitnng,
  der  Kaufmannschaft  und  der  Großfabrikanten  die
größte  Mühe,  die  Vorlage  durchzubringen  unter  Aufdeckung
der  ganzen  Gehaltlosigkeit  der  gegnerischen  Argumentation;
das  Schicksal  derselben  war  besiegelt  nnd  man  war  froh,  daß
die  Haltung  der  Einzelsticker  sie  vor  der  gänzlichen  Verwerfung ­
  bewahrte  und  eine  Rückweisnng  zu  Stande  brachte.
Die  Einzelsticker  hätten  es  in  der  Hand  gehabt,  ihr  zum
völligen  Siege  zu  verhelfen.  Wenn  sie  davon  Umgang
nahmen,  trotzdem  die  Annahme  auch  in  ihrem  wesentlichen
Interesse  lag,  so  bewog  sie  dazu  die  zurückhaltende  Stellungnahme ­
  der  Kaufmannschaft  gegenüber  einer  intensiveren  Musterklassifikation
  rind  deren  Passivität,  dem  Abzugswesen  an  der
Wurzel,  bei  ihr  selber  zu  Leibe  zu  gehen.
Im  Ganzen  zeigte  sich  aber,  daß  man  sich  damals  einer
ziemlich  lohnenden  Geschäftslage  gegenüber  befand,  und  daß
zu  solchen  Zeiten  die  Verbandspolitik  nur  schwer  zu  Neuerungen ­
  zu  bewegen  war.  Ein  Kind  der  Noth,  ivar  diese  einer
Kraftentwicklnng  des  Verbandes  stets  am  zuträglichsten.  In
Folge  Rückweisnng  der  Regulative  fand  am  22.  Dezemberei
  ne  Delegirtenversammlung  des  Fabrikstickerverbandes  statt.
            
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