Full text : Geschichte des Zentralverbandes der Stickerei-Industrie der Ostschweiz und des Vorarlbergs und ihre wirthschafts- und sozialpolitischen Ergebnisse

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Arbeitnehmer  wieder  einmal  zeigen  uñís,  wie  schließlich  docker ­
  Herr  ist,  nachdem  der  Produzent  beim  guten  Geschäftsgänge ­
  den  Spieß  umkehrte.  Die  Ursache  liegt  vielmehr  znin
Theil  auch  in  natürlichen  Wechselwirkungen  zwischen  Angebot
und  Nachfrage.  Bei  flottem  Geschäftsgänge  und  überwiegender
Nachfrage  wird  der  Käufer  stets  toleranter  und  nachsichtiger
gegen  kleine  Mängel  des  Produktes  sein,  da  er  froh  ist,  dasselbe ­
  iiberhanpt  rechtzeitig  zu  erhalten;  in  Augenblicken  aber,
in  welchen  das  Angebot  überwiegt,  wird  er  diese  Eigenschaften
jeweilen  ebenso  gründlich  abstreifen  und  genau  bis  zum  Exzeß
werden,  weil  er  weiß,  daß  nun  nicht  mehr  er  froh  um  den
Produzenten  sein  muß,  sondern  dieser  umgekehrt  um  ihn.
Zum  wahren  Krebsiibel  wurde  das  Abzngswesen  dadurch,
daß  eine  Anzahl  Arbeitgeber  dasselbe  eigentlich  tendenziös
betrieb  und  mit  ihm  systematisch  den  Minimallohn  umging.
Wie  niedlich  läßt  sich  z.  B.  die  Mllsterklassifikation  umgehen,
die  dem  Sticker  einen  Zuschlag  von  1  und  2  Fr.  gewährt,
wenn  man  ihm  bei  den  fertigen  Sticketen  dafür  Fr.  1.  50
bis  Fr.  2.  50  abzieht;  ganz  gleich  der  Minimallohn.  Die
Abzüge  wurden  in  einzelnen  Firmen  ein  förmlicher  Faktor
bei  der  Waarenkalkulation  und  bezügliche  Klagen  ertönten  mehr
als  einmal  von  offizieller  Seite  an  Delegirtenversammlnngen.
Wenn  man  daher  auf  der  einen  Seite  dem  Abzugsjannncr
nicht  ohne  alle  Kritik  gegenübertreten  darf,  so  ist  doch  unbestreitbar, ­
  daß  Auswüchse  vorhanden  waren,  die  mit  der  Zeit
eigentliche  Berbandssänlen  unterwühlt  hätten.
Abzugsiioten.  Schon  im  ersten  Verbandsjahre  traf  das  Zentralkomite
eine  Verfügung,  welche  einige  Besserung  erzielen  sollte.  Die
Arbeitgeber  wurden  angehalten,  zu  Handen  der  Verbandsleitung ­
  über  die  von  ihnen  gemachten  Abzüge  spezielle  Bücher
zu  führen  und  dem  Arbeitnehmer,  Fergger  oder  Fabrikant,
separate  Abzugsnoten  über  jede  einzelne  Stickete  auszustellen.
Die  Verbandsleitung  bezweckte  mit  ihrer  Maßregel  in  erster
Linie  die  Möglichkeit  einer  genauen  Kontrvle  über  das  Ab-
            
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