Full text : Geschichte des Zentralverbandes der Stickerei-Industrie der Ostschweiz und des Vorarlbergs und ihre wirthschafts- und sozialpolitischen Ergebnisse

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umreit,  gingen  im  Mai  /  Inni  bis  ans  28  Cts.  für  4 /4  und
24  Cts.  für  G U  zurück.
Bald  genug  stellten  sich  auch  die  unausweichlichen  Begleiter ­
  einer  wilden  Spekulation  ei»,  die  Korruption  ans  allen
(Gebieten.  Zahlreiche  Arbeitnehmer  suchten  bei  den  steten  Preisrückgängen ­
  sich  durch  gewissenlose  Abzüge  schadlos  zu  halten;
die  gegenseitige  Konkurrenz  griff  zu  Mittel»,  die  sich  außer
den  Grenzen  des  Erlaubten  bewegten;  der  Produzent  seinerseits ­
  Hunderte  darauf  los  im  Bewußtsein,  daß  der  Spekulation
die  Qualität  Nebensache  war;  die  Gebote  der  Geschäftsmoral
schienen  bei  Arbeitgeber  und  Arbeitnehmer  gänzlich  außer  Kurs
zu  sein  und  Alles  einer  völligen  Anarchie  entgegen  z»  eilen.
Für  das  legitime  kaufmännische  Geschäft  waren  die  Zustände
ebenso  ungesund  geworden,  wie  für  die  Arbeitnehmer.  Cin
eigentlicher  Auktions-  und  Konsignationsschwindel  stellte  jede
Kalkulation  auf  den  Kopf;  man  fühlte  auch  dort  mit  jedem
Tage  den  Boden  mehr  wanken  unter  den  Füßen.  Das  Gefühl ­
  wurde  immer  allgemeiner,  daß  es  so  nicht  mehr  weiter
gehen  könne,  wenn  es  nicht  zu  einem  Krache  kommen  sollte,
der  bei  der  Bedeutung  dieser  Industrie  zur  Landeskatastrophe
genwrden  wäre.
Der  Ruf  nach  Abhülfe  der  Mißstäude  ertönte  zuerst  aus
dem  Lager  der  Stickfabrikauten.  Sie  hatten  am  schwersten  zu
leiden.  In  Folge  von  Mehrspesen  im  Betriebe  ohnehin  theurer
arbeitend  als  der  sogenannte  Einzelsticker,  befanden  sie  sich  ihm
gegenüber  noch  im  Nachtheile,  nur  beschränkt  prodnziren  zu
können,  weil  sie  sich  unter  dem  staatlichen  Fabrikgesetze  mit
der  Normalarbeitszeit  von  11  Stunden  und  dem  Verbot  der
Kinderarbeit  befanden,  während  der  Einzelsticker  so  lauge
arbeiten  konnte  und  arbeitete,  als  ihm  beliebte,  und  zur  Mithülfe
  seine  Familienglieder  ohne  Ausnahme  verwenden  konnte.
Es  gehörte  damals,  trotzdem  man  schon  mitten  in  einer  Periode
andauernder  schärfster  Ueberproduktion  sich  befand,  gar  nicht
zu  den  Ausnahmen,  daß  Einzelsticker  täglich  15—18  Stunden
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