Full text : Der Zukunftsstaat und die Lösung der socialen Frage

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Die  Rangordnung  ber  verschiedenen  Stände  wird  bestimmt
durch  das  Maß  des  Ansehens  oder  des  Werthes  der  Verdienste
um  das  öffentliche  Wohl,  durch  die  Stellung  im  Staate,  sowie
durch  die  geistige  und  materielle  Macht,  welche  sich  der  einzelne
Stand  irr  der  Gesellschaft  allmählich  errungen  hat.  Der  von  der
Natur  in  den  Menschen  gelegte  Trieb  der  Ehre  ist  so  stark  und
mächtig,  daß  cs  im  Zukunftsstaate  selbst  bei  Anwenduilg  der  schärfsteil ­
  Maßregeln  nie  gelingen  würde,  die  Ständcunterschiede  für
immer  zu  beseitigen  und  eine  Gleichheit  aller  seiner  Bürger  bezüglich ­
  ihrer  socialen  Stellung  herbeizuführen.  Zähe  Energie,  Talent,
hervorragende  Leistungen,  Klugheit,  Geschicklichkeit  oder  Reichthum
würden  die  Gleichheitsschrailkeil  bald  wieder  durchbrechen  und  die
Stellungen,  von  welchen  ihre  früheren  Inhaber  verdrängt  wurden,
zurückerobert  werden.  Könnte  die  Wissenschaft  oder  die  Staatsmacht
die  Natur  zwingen,  die  Menschen  mit  gleichen  geistigen  und  körperlichen ­
  Anlagen  und  Kräften  auszustatten  und  die  hierin  bereits
vorhandenen  Ungleichheiten  wieder  zu  beseitigen,  ja,  dann  wäre  wohl
ciile  Standesgleichheit  denkbar.  So  lange  aber  weder  das  Eine,
noch  das  Andere  möglich  ist,  kaml  auch  der  Zuklmstsstaat  cs  nicht
verhindern,  daß  der  Kluge  dell  Dummen,  der  körperlich  Starke  ben
körperlich  Schwachen,  der  Reiche  den  Armen,  der  begabte  und  gewandte ­
  Rediler  feine  Zuhörer  mehr  oder  weniger  beeinflußt  und
beherrscht.  —  So  lange  die  Starken,  welche  immer  herrschen  wollen,
nild  auch  immer  Mittel  und  Wege  zur  Befriediguilg  ihrer  Herrschsucht ­
  finden  lverden;  so  lange  die  mit  hervorragenden  geistigen  Fähigkeiten ­
  Begabten,  welche  die  ihren  ehrgeizigen  Wünschen  entgegenstehenden ­
  Schranken  zu  durchbrechen  stets  entschlossen  sein  werden,  so
lange  endlich  die  auch  ben  Schwachen  innewohnende  Neigung,  immer
mit  ihrer  Lage  unzufrieden  zu  sein  und  sich  den  Freiheitsbestrebungen
Anderer  anzuschließen,  gänzlich  zu  beseitigen  oder  unschädlich  zu  machell
nicht  gelingen  sollte,  so  lange  würde  auch  jeder  auf  dem  Principe  der
allgemeinen  Gleichheit  errichtete  communistische  Staat  ein  Vulkan  sein,
dessen  verheerellde  Ausbrüche  nicht  lange  auf  sich  marteil  ließen.

Blume,  Zukunft-ñaat.

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